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Lokales vom Catwalk

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William Fan x Danny Reinke:


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William Fan und Danny Reinke waren aus HFW-Perspektive natürlich die unübersehbaren Highlights der Fashion Week Berlin. Wir stellen die Kollektionen für F/S 2018 hier nochmals ausführlich vor. Oder besser: einander gegenüber.

Fan, in Hannover aufgewachsen und zur Schule gegangen, präsentierte im Kronprinzenpalais eine Begeisterungsstürme hervorrufende Ode an die Mode als Reise in sein Kinderzimmer in Garbsen. Noch dazu am Ende mit Heinz Rudolf Kunze, quasi als Soundtrack straight outta Wedemark, unterlegt.

Danny Reinke hingegen interpetierte bei seinem Defilee im Kaufhaus Jahndorf ganz nebenbei den Hosenanzug neu. Ob in Apfelgrün oder Smaragdblau, ob knöchellang oder mit Shorts – auffallend waren bei der Show des Fahmoda-Absolventen, der sich bereits im Januar mit einer Installation seiner Kollektion „Secret Desire“ im me Collectors Room vorgestellt hatte, dazu besonders die überlangen Jacketts. Atmosphärische Abendkleider hat Reinke mit riesigen Tüllschleifen drapiert.

Seine Casual-Couture-Kollektion „A breath of nihilism“ richtet sich an moderne, urbane, junge Frauen des Expeditiven Milieus. Konzeptionell geht es in der Kollektion um die Befreiung des industriellen Perfektionismus und die Rückbesinnung auf das ungezwungene Sein, des Ertrotzen und das Streben nach Freiheit. Im Fokus stehe eine Art romantische Anarchie, erklärt der Designer.

Trachtenelemente werden dafür neu interpretiert. Die Farbpalette der Kollektion zieht sich von Weiß über Creme bis hin zu Nude. Als Key-Color dient ein knalliges Schwefelgrün. Transparente Seidenstoff und Miederkorsagen transportieren einen Kontrast zwischen Leichtigkeit und Traditionen. Perlenstickereien und Stoffmanipulationen in floraler Optik erinnern an blühende Blumenfelder.

William Fan hingegen setzte nach Chinatown und der chinesische Herkunft seiner Familie erneut die eigene Biographie ins Zentrum seiner Inspiration. Sein am Ende euphorisches Publikum nahm er auf der Terrasse und im Garten des Kronprinzenpalais mit nach Garbsen – in sein altes Kinderzimmer. Die Haltestelle der hannoverschen Linie 

Fan ist 30 und war Teenager in den Nuller-Jahren. Die Streetwear aus dieser Zeit zitiert er meisterhaft und transferiert sie in seinen ganz eigenen High-Fashion-Kosmos: Kapuzenpullis und Baggyhosen, Crinkle-Stoffe, Kroko-Prägungen auf Blusen, bunte Techno-Stoffe und glänzende Metallic-Elemente.

Fan konnte mit dieser Kollektion erneut sein enormes Talent und seine herausragende Stellung innerhalb einer neuen deutschen Designergeneration unterstreichen. Sogar der Soundtrack seiner Show – von Beethovens „Für Elise“ bis zu besagtem „Dein ist mein ganzes Herz“ von Wedemark-Barde Heinz Rudolf Kunze – sorgten in Berlin und bei diversen Fashion Bloggern für Gesprächsstoff.

Der große internationale Durchbruch kann nicht mehr weit sein. Dass Fan dabei weiterhin auch seine niedersächsische Herkunft – ob in seinen Entwürfen oder gegenüber Presse und Medien – akzentuiert, ist gerade für hannoverfashionweks.com ein großes Modeglück

Bilder: Christian Pries, Mercedes-Benz Fashion

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Backstage betrachtet: 32 Kollektionen waren in diesem Jahr beim Modepreis Hannover zu sehen


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Franziska Müller von der HsH und Georgina Jenkins von der Birmingham City University waren die großen Abräumer beim Modepreis Hannover 2017. Wir blicken hier mal mit einer umfassenden Backstage-Perspektive auf das Geschehen vor und hinter der Bühne im Design Center und auf die Kreationen der 32 Designer des Wettbewerbs. Neben der Goldenen Schere gab es Preise für das beste Männeroutfit, die am nachhaltigsten produzierte Kollektion sowie zwei Publikumspreise. Hinter den Kulissen war es dabei nicht weniger spannend als auf dem Laufsteg. 

Der Modepreis Hannover 2017 und damit die Goldene Schere ging an HsH-Absolventin Franziska Müller.Ihre dynamische Kollektion „Phoenix from the Ashes“ beeindruckte die Jury mit ausgefallenen Details, mit dem Gesamtkonzept und dessen multikultureller Ausrichtung. Ersan Yükyapan, Manager der Ernst-August-Galerie, überreichte der 26-Jährigen den Scheck in Höhe von 3.000 Euro, die Goldene Schere erhielt sie aus den Händen des Hochschul-Präsidenten Professor Josef von Helden.

Gewinnerin des Modepreises Hannover 2017: Franziska Müller (2.v.r.) mit zwei ihrer Models und Hochschulpräsident von Helden (links) und EAG-Manager Ersan Yükyapan.

Den in diesem Jahr zum ersten Mal verliehenen Preis für das beste nachhaltige Konzept, gestiftet von der Firma Maas Natur und dotiert mit 1.000 Euro, bekam Patrick Rizzo. Mit seiner Kollektion „A Colour“ erschuf der Designer kompostierbare Mode für eine offene Gesellschaft – ohne Vorurteile und Rassismus. Die Jury lobte die selbst gefärbten Stoffe, die exzellente Schnitttechnik und die sozialkritischen Aspekte in Rizzos Kollektion.

Den Preis für das beste Herrenoutfit in Höhe von 1.000 Euro, ausgelobt von Wormland Men’s Fashion, erhielt die Britin Georgina Jenkins. Die Absolventin der Birmingham City University überzeugte die Jury mit ihrer mutigen Stoffwahl, abgestimmten Farbwelt und einer mitreißenden Inszenierung.

Georgina Jenkins konnte nicht nur die Jury um Alex Krenn (Head of Design bei Vivienne Westwood), sondern auch das Publikum der ersten Show überzeugen. So gewann sie einen Gutschein über 500 Euro von Sante Naturkosmetik. Den zweiten Publikumspreis – einen Industrienäher und die passende Software – ging ebenfalls an Franziska Müller mit ihrer Gewinnerkollektion.

Der Modepreis Hannover soll laut der HsH die Entwicklung der niedersächsischen Metropole hin zu einem attraktiven Ziel für Fachpublikum und modebegeisterte Menschen betonen. Das ist auch in diesem Jahr in jedem Fall wieder gelungen.

Fotos: Jesse Wiebe, Arne Gutknecht
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Fashion Finals 2017 – Backstage in der Orangerie Herrenhausen


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Die Fashion Finals 2017 waren wieder eine gigantische Leistungsschau der Modeakademie Fahmoda. Jesse Wiebe hatte die unendliche Ehre, schon vor und während den Defilees backstage fotografieren zu dürfen. Seine grandiosen Schnappschüsse und wunderbaren Momentaufnahmen zeigen wir hier einfach mal völlig unkommentiert – in Farbe und Schwarzweiß. 

Fotos: Jesse Wiebe

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Fashion Finals: Antonia Parr, Anastasiia Ustinov, Laura Siefgens und Karolin-Sophie Niedfeld gewinnen Awards der Hannover Fashion Show in der Galerie Herrenhausen


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Die Herrenhäuser Gärten entwickeln sich immer mehr zur favorisierten Location für die großen Fashion Shows im Kalender der Landeshauptstadt. Ob Fashion&Dance-Festival oder M3-Werkschau in der Galerie mit ihrem barocken Festsaal oder nun die Fashion Finals 2017 der Fahmoda in der strahlend weißen Orangerie. In zwei ausverkauften Defilees zeigten die 20 Absolventen der renommierten Akademie ihre hochkarätigen Abschlusskollektionen. Außerdem waren Entwürfe der 3. und 5. Semester unter dem Motto „Blue Hour“ und „Future & Craft“ zu sehen. 

Das Spektrum war erneut so facettenreich, dass man Probleme hatte, alles Gesehene zu memorieren. Opulente Haute Couture von Laura Siefken mit dreidimensional wirkenden Prints und ausgestellten Röcken eröffnete in einem Slow-Motion-Walk die Show der Absolventen. Ökologisch durchdachte Prêt-à-porter, von Punk, Kunst und Dandytum inspirierte Unisex-Kollektionen wechselten mit gemischten Womens- und Menswear-Kollektionen sowie einigen avantgardistischen Arbeiten ab. Nur reine HAKA? Fehlanzeige. Aber das ist ein allgemeines Phänomen an Modeschulen.

Dafür waren die Konzepte von erfrischend unterschiedlichsten Bereichen inspiriert: Das norddeutsche Friesland tauchte gleich doppelt auf: einmal als Kontrastpunkt zu westafrikanischen Wurzeln in Esther Maryam Ehlers „Ethnic Synergy“ und einmal in Jasmin Wiechmanns „’n Koppke Tee“ im Sinne einer modischen Mediation durch Teekultur.

Höhepunkt der Show war die Kooperation mit dem Kammermusik-Ensemble der Musikhochschule Hannover, die u.a. Vivaldis „Concerto für 4 Violinen“ live auf den Catwalk intonierten. Durch die Show führten Radio-21-Moderator und Topmodel und Fashion-Bloggerin Louisa Mazzurana, die auch ihr mit dem Label Max Volmáry kreiertes Kleid auf dem Laufsteg vorstellte.

Die Awards der Fashion Finals gingen in diesem Jahr an Antonia Parr, die den 1. Preis für ihre, von der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist inspirierte, Kollektion „Worry-Free-Package“ erhielt. Den zweiten Platz belegte Anastasiia Ustinov für ihre, aus rein veganen und plastikfreien Stoffen hergestellte, Kollektion „Love Is Plantbased“. Der dritte Platz wurde von der Jury um VDMD-Präsident René Lang zweimal vergeben: einmal an Laura Siefgens Haute-Couture-Kollektion „Esagerare“ und an Karolin-Sophie Niedfelds „Utstüür“ – einer traditionell orientierten Arbeit aus handgesponnener Wolle, Goldschmiedekunst und Leinen.

 

Fotos: Jesse Wiebe

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KINA* und Aleks Kurkowski haben die Düsseldorfer Platform Fashion für Frühjahr/Sommer 2017 gerockt


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Bereits zum sechsten Mal fand in diesem Sommer das Düsseldorfer Runway-Format Platform Fashion anlässlich der Collection Première Düsseldorf statt. Vom 22. bis 24. Juli präsentierten 35 Designer und Labels ihre Kreationen für Frühjahr/Sommer 2017 – darunter auch KINA* und Aleks Kurkowski, mit der wir 2015 bereits unsere erste Fashion Night im Related Store feiern durften.   

Aleks war mit ihrem gleichnamigen Label, das die HsH-Absolventin samt Atelier erst zum Jahreswechsel von der Spree an den Rhein verlegt hat, zum ersten Mal in Düsseldorf dabei. Sie kombiniert Minimalismus mit Nachhaltigkeit, den man dann auch schon mal in Pop-Up Stores in Berlin und Hamburg finden konnte. Ihre Avantgarde-Mode ist inspiriert von simpler Geometrie und der Leidenschaft für Schwarz, das auch ihre Frühjahr/Sommer-Kollektion 2017 dominiert.

In ihrem ersten Düsseldorfer Defilee aus Mens- und Womenswear bildeten dunkle, tiefrote Lippen sowie ein einziges weißes Hemd den Farbkontrast zu der dominierenden Farbe der Kollektion: Schwarz. Dazu kommt ein Mix aus verschiedenen Materialien, geometrischen Formen und gekonnter Schnittführung – geradlinig, hochwertig und zeitlos. Die Hüte kamen von Laurence Leleux Hats, die Schuhe von Trippen.

Bereits zum zweiten Mal war Julia Penkina mit ihrem Label KINA* auf der Platform Fashion dabei. Seit der Labelgründung 2005 designed Julia zeitlose Damenmode sowie Accesoires und Schals, die wiederum diverse Impulse für ihre Womenswear-Linie liefern.

Das bewies das Düsseldorfer Defilee ihrer Feinstrick-Kollektion auf der Fashion Yard meets Platform Fashion. Zu sehen war eine elegante und zugleich komfortbetonte Mischung aus zehn Einzelstücken. Drei Kleider, ein Mini- und ein Maxirock, Tops, Jacken, Gürtel und Ärmelschals. Die Farbpalette reichte von Schwarz über Silbergrau bis hin zu Aqua. Bei der Schnittkonstruktion hat Julia Penkina größtenteils mit Rechtecken gearbeitet, die die Flexibilität der Teile unterstreichen soll.

Fotos: Sebastian Reuter/Getty Images for Platform Fashion, Andreas Rentz/Getty Images for Platform Fashion

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Von Capoeira bis Lakritz Couture: Rückblicke auf die Premiere des Fashion & Dance-Festivals 2016 in der Galerie Herrenhausen


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Beim ersten Fashion & Dance-Festival am 25. Juni kam Hannovers Tanz- und Modeszene unter dem Motto Liebe erstmalig gemeinsam zu einem Catwalk-Projekt zusammen. In zwei Shows zeigten etablierte Designer, Absolventen sowie Studierende der hiesigen Modeschulen ihre Kollektionen. Tänzer und Models sorgten für einzigartige Fashion-Inszenierungen vor der sagenhaften Kulisse der Galerie Herrenhausen. Wir blicken nochmal auf die facettenreichen Defilees mit exklusiven Einzelstücken über Capsules bis zu kompletten Kollektionen – präsentiert in außergewöhnlichen Choreographien.

Auf dem 50 Meter langen Laufsteg zeigten u.a. Anette Spitzl, Maria Voronova/lillestoff, Vivien Schlüter, das Label MÄLA und Arame Kordian. Auch  Julia Walker, Natalja Latyk, Katharina Kubiak, Melitta Dill sowie Suse Schneeweiss Design und Pirate Business Wear waren mit eigenen Defilees und Choreographien vertreten.

Luisa Verfürth zeigte erneut ihre Couture-Kollektion aus Lakritz, die die Modejournalistin und Stylistin für das Festival komplett neu angefertigt hatte. Denn ganz so lecker war ihre Kollektion aus Konfekt dann doch nicht mehr. Den Abend versüßt haben ihre Kreationen aus Lakritz jedoch genauso wie schon im Herbst/Winter 14/15. Begleitet wurde das Defilee von Bariton Harald Hieronymus Hein, der zum Auftritt der Models Teile aus Robert Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“ sang – live am Laufsteg  zur Begleitung von Julia Butte-Wendt am Flügel.

Mit zeitloser Damenmode in funktionalen Designs war auch das Label KINA* mit am Start. Seit der Labelgründung 2005 legt Designerin Julia Penkina großen Wert auf eine Kombination aus Qualität und erschwinglichen Preisen. Inszeniert wurde ihr Defilee durch Tänzer der LINK2dance-Company.

Ein weiterer Höhepunkt der Show kam mit der ersten Kollektion des frisch gegründeten Berliner Labels AC BY auf den Laufsteg. Ballerinen der Tanzschule Bothe und der Norddeutschen Tanzwerkstatt Upstairs setzten die Pastell-Kreationen von Fahmoda-Absolvent Samuel Acebey auf der Spitze tanzend in Szene.  Von Historik, verschiedenen Kulturen und Kunsteinflüssen beeinflusst, hatte Acebey Sportlichkei in Verbindung mit Tüll und floralen Details in den Fokus der ersten Kollektion seines eigenen Labels gestellt.

Geballte Energie aus Kampf, Tanz und Denim Couture kam schließlich mit Balagans auf den imposanten Catwalk der Galerie Herrenhausen. Label- und Atelier-Gründer Philip Rudzinski zeigte seine neuesten Entwürfe in einer fast archaisch anmutenden Choereographie voller Maskenspiel mit Capoeira-Tänzern aus der Stadt.

#WALKFORSVEA&LAURA&DENNIS – unter diesem Hashtag hatten sich Svea Behrens, Laura Maria Grillo und Dennis Sanders für das Projekt Fashion&Dance zusammengetan. Svea und Dennis studieren Modedesign an der HsH, Laura hat die Accademia di Costume e Moda in Rom 2010 absolviert. Das Trio hat zum Festival-Thema eine seidige, romantisch-moderne Kollektion entworfen. Während Svea und Dennis für den Design-Part zuständig waren, übernahm Laura das Design der extravaganten Schmuckstücke. Tänzerinnen und Tänzer der Tanzschule Body Talk präsentierten schließlich die Kollektion.

Die mehr als gelungene, eindrucksvolle Premiere des Festivals  stand unter der Schirmherrschaft von Doris Schröder-Köpf (MdL). Eine Auswahl der präsentierten Defileess und Choregraphien wären für eine Präsentation im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Berlin sicher mehr als prädestiniert. Ähnlich vielleicht, wie bereits das Trachten-Projekt der HsH in der Niedersächsischen Landesvertretung. Zukunftsmusik? Ob es in Hannover ein Fashion&Dance-Festival 2017 geben wird, steht derweil allerdings auch noch nicht fest.

Fotos: Arne Gutknecht

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Modepreis Hannover 2016 geht an Gesa Schröder und Yangchuan Weng – im Bereich Menswear und DOB räumen Thi Hien Nguyen und Anna Sophia Flemmer ab


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Der Modepreis Hannover schloss in diesem Jahr zeitlich so nahtlos an die Fashion Week Berlin an, dass wir kurz überlegen mussten, ob wir noch im Kronprinzenpalais Unter den Linden oder doch schon im Design  Center an der Expo Plaza saßen. In zwei Shows zeigten 34 HsH-Absolventen 30 Kollektionen. Von der nur eine Handvoll Looks umfassenden Capsule bis zur ausgedehnten DOB- oder Streetwear-Kollektion. 

Sogar eine Lingerie-Linie war nach dem Tight-Laced-Erfolg 2015 mit Marie Jirasek Paolesque wieder zu sehen. Dazu standen Themen wie Nachhaltigkeit, etwa mit der voll kompostierbaren Kollektion Giant silk moth looks into your soul von Lisa Germies und Gender-Neutralität mit der wunderbaren minimalistischen DOB-Kollektion mit HAKA-Teilen Decora von Sabrina-Yvonne Hustede auf dem Programm. Ebenso haben die Trailer-Trash-Mädels Julia Eifler, Nane Anna Bohn und Anna-Lena Schwirk ihre Abschlusskollektionen Denn es gibt keine Heimkehr, Girlhood – Between soft and rough there is unapologetic und Animal Harm gezeigt.

Der Modepreis Hannover 2016 ging am Ende an Gesa Schröder und Yangchuan Weng (beide 25). Ihre experimentelle und dynamische Kollektion „1/2“ beeindruckte die Jury mit ihren raffinierten Details, ausgefallenen Prints und einer „vollendeten Gesamtsilhouette“.

Rainer Wilke von Dr. Klein Baufinanzierung überreichte den Gewinnerinnen den Scheck in Höhe von 3.000 Euro, die Goldene Schere erhielten die beiden aus den Händen des HsH-Präsidenten Josef von Helden.

Der in diesem Jahr zum ersten Mal verliehenen Preis für das beste DOB-Casual-Outfit, gestiftet von dem Cecil und dotiert mit 2.000 Euro, ging an die 26-jährige Anna Sophia Flemmer. Mit ihrer Kollektion „Same:Same“ erschuf die Designerin Mode für Sehende und Menschen mit Sehbehinderung – die Wendbarkeit und die Genderneutralität waren die Schlüsselbegriffe im Entstehungsprozess dieser Abschlussarbeit. Überreicht wurde der Preis von Katja Langhammer, Head of Design bei Cecil.

Den Preis für das beste Herrenoutfit in Höhe von 1.000 Euro, ausgelobt vom hannoverschen Herrenausstatter Lo&Go, erhielt die 29-jährige Thi Hien Nguyen. Sie überzeugte die Jury mit dem gesellschaftskritischen Aspekt ihrer Kollektion „Smombie“, in der sie sich mit der Abhängigkeit unserer Gesellschaft von Smartphones und mit den daraus resultierenden Folgen beschäftigte. Nebenbei sah das auch noch ziemlich angesagt aus und wir hätten gerne so einige Teile daraus in unserem Schrank – vor allem den weißen Mantel.

Den Publikumspreis der ersten Schau, eine Beautybox von Sante Naturkosmetik, gewann die Kollektion „Now – Wie lang ist die Zeit“ von Susanne Siebert (45). Den zweiten Publikumspreis – eine Nähmaschine und eine Overlock vom Nähmaschinencenter Hannover – bekam Barbara Daniel (28), für ihre Kollektion „Obviously Old“, die das Altern der Frauen in Materialien, Formen und Licht interpretierte.

Fotos: hannoverfashionweeks.com/Rüdiger Oberschür,  Patrick Slesiona/Hochschule Hannover

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From Runway to Backstage: Das waren die Fashion Finals 2016 im Sprengel Museum


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Moderne Trachten-Interpretationen, von David Bowie inspirierte Streetwear und Auseinandersetzungen mit Künstlern wie Niki de Saint Phalle, Baptiste Debombourg, Wassily Kandinsky und Kultregisseur Wes Anderson– die 16 Absolventen der Fahmoda haben bei den Fashion Finals 2016 im Sprengel Museum durch die Bank ein beeindruckendes Spektrum an Kollektionen und Konzepten gezeigt. Die drei Talent Awards gingen an Lisa Wersch, Judith Hauser und Julia Portia Allen. Mit den Präsentationen des dritten und fünften Semesters waren in beiden restlos ausverkauften Shows insgesamt 65 Designer mit rund 300 Outfits zu sehen. 

Das bereits als Label auftretende Duo HoertingerSolak zeigte eine in herausragende Kreationen umgesetzte Auseinandersetzung mit der modisch grotesken, hyper-bourgeoisen Jugendbewegung während der Französischen Revolution – den „Incroyables et Merveilleuses“. Das entsprechende Defilee der „Collage Merveilleux“ überzeugte dazu durch eine ungewöhnlich theatral inszenierte Performance entlang des 30 Meter langen Laufstegs in Hannovers renommiertem Sprengel Museum, wo die Fashion Finals in diesem Jahr erstmalig stattfanden. Das Vexierspiel eines morbiden Guillotine-Chic zwischen historisch anmutender Couture und dandyesken Punk-Elementen war einer der Höhepunkte und gleichzeitig der Schlusspunkt des Defilees beider Shows.

Labels und Inspirationen
Designerin Franziska Sprengel trat ebenfalls bereits unter ihrem frisch gegründeten Label X Sprengel auf und zeigte mit „XX“ eine durch die Expo 2015 in Mailand inspirierte Kollektion mit Blüten-Prints auf Basis von Röntgenaufnahmen. Accessoires aus gelasertem Acryl- und Plexiglas ergänzten die bemerkenswerten Outfits.

Besonders stark standen Themen wie Heimat oder die eigene Familiengeschichte im Fokus der fertig ausgebildeten Modedesigner und Maßschneider. So etwa bei Carolin Reuter mit ihrer Trachten-Kollektion „My Dear’N’Deer“, bei Vanessa Dalmann mit ihrer Hommage an die schlesische Foklore namens „Tak Smakuje Zycie (So schmeckt das Leben)“, bei Hanna Schwellenbergs „Heimelich“ oder „Larissa Arndts „Heimathafen“ und bei Clara Siegenthalers autobiographisch inspirierter Avantgarde-Couture „Memento Mori“.

Satirisch hingegen hatte Vanessa Hagen das diabolische Verführungsmotiv aus Goethes Faust in ihre Kollektion „#DESPUDELSKERN“ in die heutige Welt von Selfies und Social Media-Wahnsinn übertragen.  Mit Lewis Carrol ebenfalls literarisch inspiriert, war auch Paloma Krauses Kollektion „How long is forever“. Prints persönlicher Fotografien versinnbildlichten darin die Verschmelzung von Natur und Architektur.

Von der Kunst inspiriert waren hingegen Alissa Schulzes Avantgarde-Entwürfe mit dem Titel „Art Terrorist“, einer stofflichen Reinkarnation der ersten Happenings Niki de Saint Phalles (nicht der Nanas vom Leineufer!), und Melissa Schulz‘ „Eunoia: Beautiful Thinking“, eine Ready-to-wear-Kollektion als Auseinandersetzung mit Baptiste Debombourg und Pierre Soulages.

Den Einfluss von Videogames und Animes nahm hingegen Elif Ünal zur Grundlage und übersetzte die Themen Realitäts- und Identitäsverlust in ihre Kollelktion „Anshin-Anshin“.

Talent Awards und Elektro-Performance
Der erste Preis der Talent Awards ging an Lisa Wersch für ihre Kollektion „The space between us – fleshed“. Die Plätze zwei und drei belegten Judith Hauser mit „Escapism“ und Julia Portia Allen mit „Candy And Sky“. Die Jury sei sich in ihren Entscheidungen sehr einig gewesen, sagte VDMD-Präsident René Lang im Anschluss der Show gegenüber hannoverfashionweks.com.

Laut Jury-Mitglied und Kollegin Julia-Maria Blesin vom Nicetohave Mag waren die Kriterien des zweistufigen Bewertungsverfahrens vor allem Professionalität und erster Eindruck, Nachhaltigkeit, Konzept und Innovation.

Untermalt von den Live-Klängen der Hamburger Elektro-Pop-Band Foxos zeigten auch Studierende aus dem dritten und fünften Semester unter dem Motto „Art Life“ und „Motors & Cars“ ihre aktuellen Arbeiten. Darunter auch vor wenigen Wochen im Rahmen der Berliner Modewoche beim Volkswagen Fashion Design Award prämierte Preisträger-Outfits der Fahmoda-Studentinnen Anika Dierker und Bettina Schmutz. Insgesamt zeigten 65 Designer der Fahmoda ihre Arbeiten.

Auf dem Laufsteg war zum zweiten Mal auch Model Paula Grafenhorst zu sehen. Hinter der Bühne sorgten diverse Visagisten und Stylisten für außergewöhnliche Haar- und Make-up-Kreationen. Darunter auch Freund Pierre „HairRock“ Heinemann mit seinem zehnköpfigen Team. Unsere kleine Backstage-Galerie gibt’s zum Abschluss hier…

Fotos: Arne Gutknecht, Antonia Savigny, Vierfotografen, Rüdiger Oberschür/hannoverfashionweks.com

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Zwischen Kung Fu und dem goldenen Glanz der Samstagnacht: William Fan zeigt beim Berliner Salon im Kronprinzenpalais


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Bereits zum dritten Mal hat William Fan in der vergangenen Woche auf der Fashion Week in Berlin gezeigt. Diesmal begeisterte der gebürtige Hannoveraner mit einer Kollektion, die es versteht Purismus und Opulenz zu verbinden. Und die den Grundstein für eine Tagesrobe legt, an der noch eine glamouröse Nacht hängt. „Kennst du noch die Euphorie bevor man ausgeht? Wenn man sich vorstellt, es ist Samstagabend und man macht sich fertig? Welche Dinge braucht man, um sich aufzuhübschen um selbstbewusst in die Nacht gehen zu können?“ William Fan hatte Sehnsucht nach diesem Gefühl. Nach dem Reiz der Adoleszenz, die er ins Erwachsenendasein übertragen wollte. Und so widmete er diesem Gefühl eine ganze Kollektion.

Tassels schwingen an der Frontrow vorbei, in gelb, an dem Saum eines frei schwingenden Kleides,  unter dem Schösschen eines Trenchcoats, durch die hindurch man einen einen Po Ansatz zu sehen glaubt, an dem Rücken einer Kurz-Jacke, in die man reingreifen möchte. Tassels, das sind die Fransenknäufe, die Nicht-Modeleute von Gardinen kennen, die an Tauen von Vorhängen befestigt sind, damit sie eben die nicht aufschwingen lassen und das, was man Aussicht oder Bühne nennt, freigeben. William Fan freut sich darauf gerade diese Tassels in seiner Show schwingen und sich bewegen zu sehen, weil seine Lieblingsteile auf der Stange nicht funktionieren. „Sie brauchen Bewegung“. 

Das Licht der nacht in schwarzen Pailletten 

Williams Kollektion für Herbst/Winter 2016/17  ist eine Verneigung an das Ausgehen geworden, eine Annäherung an die Möglichkeiten, wenn man im Club auf die Tanzfläche geht und zeigt, wie schön das ist, wenn sich etwas bewegt, wenn sich Stoffe bewegen, wenn das Licht der Nacht sich in schwarzen Pailletten spiegelt, wenn der Schlag einer Hose um das Bein kreist, wenn durchscheinende Haut an Ärmeln lockt, wenn goldene Latex-Röhren aussehen, als hätte man sich Schmuck in Laisser-faire- Attitüde um die Beine gegossen.

William nennt es eine Kampfansage. Soundtrack- Ausschnitte von Bruce Lee-Filmen eröffnen den Club in den William einlädt, an einem Donnerstag Abend in Berlin. Unweit Unter den Linden – ins  Kronprinzenpalais. Natürlich kein Club. Höchstens der, der elitären Designer. Eine besondere Ehre für den 28-jährigen Designer mit Wurzeln in Hannover und Hong Kong, der die zwei Saisons vorher noch im Fashion Week Zelt am Brandenburger Tor seine Kollektionen Jade Garten und Welcome home vorgestellt hat.

„Im Kronprinzenpalais zu zeigen ist eine ganz besondere Ehre für mich. Die Räumlichkeiten entsprechen wirklich sehr meinem persönlichen Geschmack und es ist wunderbar, dass der Berliner Mode Salon auf mich aufmerksam wurde“, erklärt William gegenüber hannoverfashionweeks.com 

William Fan Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2016 Der Berliner Mode Salon ist eine Institution, die sich unter der Leitung von Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, es zur Aufgabe gemacht hat die besten Designer Deutschlands in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren und zu vernetzen und so fand man William Fan in der Januarausgabe der deutschen Vogue auch unter den „drei aufstrebensten Talenten der deutschen Modeszene“ wieder. Neben Nobi Talai und Louise Friedlaender. 

Dass William Perfektionist ist, verlangt keine hellseherischen Fähigkeiten. Trotzdem eineinhalb Stunden vor der Show ist  der Designer komplett relaxt. Es wird noch goldene Folie an einer Foto-Wand für die Fotografen arrangiert und jemand bedampft schnell noch Einzelteile, das übliche Prozedere. Umso mehr Zeit bleibt über den Schmuck zu sprechen, der gleich einen besonderen Platz in der Show bekommen wird.

Mit Gold gegen Grau

„Ich mochte schon immer gerne Gold und wollte einen organischen Schmuck entwickeln, der nicht zu grafisch ist. Der Schmuck wurde in Marrakesch hergestellt, handgemachter Messingschmuck. Ich habe Knetformen dort hingeschickt und dann wurde er gemustert. Er ist wunderschön geworden und pimpt jeden Look auf.“

Dieses Aufpimpen fehlt dem jungen Mann, der sich gerne aufhübscht zum Weggehen schon ein wenig im Gros der Gesellschaft. „Das Leben ist einfach zu kurz um grau zu sein“, so Fan. Zwei Stunden später weiß man, was er meint. Goldene, sichelförmige Colliers ranken sich auf links gedreht um den Hals wie Krägen, Armbänder schlängeln sich wie lang gezogenes, in einen Strudel gesogenes Kaugummi um die samtenen Ärmel der chinesischen Jackets und Morgenmäntel der Herren und der überlangen goldenen und schwarz samtenen Ärmel der Damen. Besonders elektrisierend wirken die wie Stimmgabeln nur über die Ohren gehängten Ohrringe bei den Damen. 

Der Schmuck des Rhythmus

Es mutet konfus nach Konfuzius an und fließt doch alles im Fluss der chinesischen Attitüde und Selbstkontrolle die bei William stets spürbar ist. Und so beschreibt er seinen Takt eines perfekten Abends und den Soundtracks für die Show sehr geradlinig und vorhersehbar. „Eigentlich ist es eine kleine Geschichte, eine Story die mit der Musik erzählt wird. Es fängt alles mit dem Soundtrack aus Bruce Lee-Filmen an, das spiegelt sich auch in der Kollektion wieder, in den Schnitten, in der Attitüde wie man sich durch den Tag bewegt – eine Kampfansage. Eigentlich wie der Verlauf eines Abends. Es beginnt alles sehr mystisch, dann geht der Bass los, es sind aber auch verschiedene Genre drin: Hip Hop, House und Indie . Das sind aber auch alles Dinge, die ich selber gern zum Ausgehen höre.“

Zu „If I rule the world“ von Nas endet die Show, nach der man ohne Wenn und Aber modisch  intravenös stimuliert weggehen möchte. Weggehen will mit William, zurück nach Linden auf die Limmer Straße, auf der er früher oft unterwegs war, dem früher und seinem Zuhause , deren Erinnerung er heute seine wunderbare Kollektion gewidmet hat und in deren goldener Hose jeder Move zur Stethoskopreflexion wird. Lasst uns mehr tanzen. Der Rhythmus hat neuen Schmuck bekommen. Einen neuen Fan.