Labels


Modemarken aus der Stadt

Labels

Taktstoff macht Couture für den Orchestergraben


Keine Kommentare

Orchestermusiker haben es nicht einfach mit ihrer Bekleidung. Wer sich Klassik & Co verschrieben hat, hat spezielle Ansprüche an Aussehen und Tragekomfort. So wünscht sich der Dirigent eine attraktive Rückenansicht, die Flötistin ein Outfit mit genügend Spielraum entlang der Armpartie und eine Musikdirektorin besondere Raffinesse für ihr Frackkostüm. All das und vieles mehr muss Ulrike Schörghöfer berücksichtigen, wenn sie für ihre eigenes Label Taktstoff designt.

Zu ausgefallen dürfen die Outfits nicht werden, man stelle sich ein kunterbuntes Orchester vor – es würde zumindest optisch ziemlich auseinanderdriften. Für Ulrike Schörghöfer ist das kein Thema. Die Kostümbildnerin entwirft seit 2012 unter dem Label Taktstoff in Hannover Kleidung für besondere musikalische Herausforderungen. Auf den Leib schneidert sie seit einiger Zeit auch Karen Kamensek, der Generalmusikdirektorin der Staatsoper Hannover. Schörghöfers Markenzeichen: bewegungsfreundliche, qualitativ hochwertige und vor allem individuelle Outfits mit zeitlosem Chic.

 

Wir haben Ulrike bei der Fête de la Musique getroffen, wo sie sich im Rahmen des KreHtiv-Netzwerks präsentierte. Die Designerin hat am Mozarteum in Salzburg Bühnengestaltung studiert und in verschiedenen Kostümabteilungen gearbeitet. Neben den Salzburger Festspielen wirkte sie auch am La Monnaie in Bruxelles, an der Frankfurter Oper und den Theatern in Salzburg, Darmstadt, Innsbruck, Wien, Halle und Straßburg. Seit 2009 lebt die Kostümdesignerin in Hannover und bietet dort in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ateliers Maßanfertigungen aus hochwertigen Materialien.

Fotos: Taktstoff, Zarah Kniep

Labels

Der kalte Herd: Vom Schwarzwald an die Trachtenleine


Keine Kommentare

Fleischfressende Pflanzen, zerfließende Herzen, lustige Bananenblumen, beißende Herzfresser, versteckte Glasmännchen, glitzernde Bonbons und verspielte Rosenkränze: Wer mit Tracht nur angestaubte Gewänder oder tief dekolletierte Dirndl verbindet, kennt Alexandra Weber noch nicht. Die junge Designerin entwirft mit ihrem Label Der kalte Herd in Hannover Trachtenmode, die so gar nicht bieder daherkommt. Entstanden ist es im Rahmen ihrer gleichnamigen Abschlusskollektion an der HsH. 

Die Modelle sind in der Passform besonders variabel. Paspelierte Nahtzugaben verweisen auf die hochwertige Verarbeitung. Trachtenelemente wie Webbänder und Stickereien werden auf subtile Art und Weise in einen neuen Kontext gesetzt.

der-kalte-herd_slider-5

Der Schwerpunkt auf Tracht kommt nicht von ungefähr – Alexandra Weber ist ein Kind des Schwarzwalds, geboren im Breisgau. Dort verweisen Trachten auf noch mehr als Handwerkskunst und Tradition. In ihrer ursprünglichen Form ist eine Tracht ein ganz persönliches Kleidungsstück. Man wählt gemeinsam mit dem Trachtenschneider den Stoff aus, genauso wie Knöpfe, Bänder und Stickereien. Die Tracht wird individuell und passgenau zugeschnitten. Geht etwas kaputt, so wird ausgebessert. Veränderten sich die Proportionen, etwa durch eine Schwangerschaft, so änderte man die Tracht ab. So blieb sie ein ständiger Begleiter und hatte eine lange Lebensdauer.

der-kalte-herd_slider-3 Diesem Konzept bleibt das Label treu und folgt in der Herstellung den Prinzipien der Trachtenschneider. Aus einem Pool an verschiedenen Modellen kann sich die Trägerin bei Alexandra Weber ihr passendes Modell zum derzeitigen Lebensentwurf heraussuchen und gewünschte Änderungen in Form, Farbe und Dekor jeweils direkt mit der Designerin abstimmen.

Geboren wurde die Designerin 1983 in Waldkirch bei Freiburg im Breisgau. Nach dem Abschluss zweier Ausbildungen als Modenäherin und Kauffrau im Einzelhandel zog es sie gen Norden – zum Modedesign-Studium nach Hannover, wo sie 2011 ihren Bachelor an der HsH machte. Ihre Abschlusskollektion gewann beim „Lionel Designpreis Braunschweig“ den ersten Preis in der Kategorie „Fashion and Textile“.

Dem Thema Tracht blieb Alexandra auch für ihren Master-Abschluss an der HsH treu. Sie studierte die Amts- und Ordenstrachten der evangelischen Frauenklöster und Stifte in Niedersachsen und entwickelte dabei das  Ausstellungskonzept „…und wo sind die Nonnen?“. Die Klosterkammer Hannover unterstützte Alexandra in ihrem Vorhaben mit einem Stipendium. Am 24. März 2014 eröffnete Bernd Busemann, Präsident des 17. Niedersächsischen Landtages, schließlich Alexandra Webers fertige Ausstellung mit dem Titel „Weniger ist Herrlichkeit“ im niedersächsischen Landtag Hannover, die in interdiziplinärer Zusammenarbeit mit Studierenden der HsH entstand.

Alexandra arbeitet in der 2013 entstandenen Ateliergemeinschaft Huso Huso Studios, ein gemeinsames Projekt von sieben Absolventinnen der HSH. Aus dem Bedarf an Raum und dem Wunsch nach gemeinsamen Arbeiten entwickelte sich ein Konzept, welches den Designerinnen und ihren Labels heute einen Ort für Austausch und Kooperation bietet.

Fotos: Gretje Treiber

Labels

Hood Bags: Diamant trifft Tasche


Keine Kommentare

Hoodgefertigt sind die Bauch- und Schultertaschen von Pawel „Paul“ Pynsar. Der studierte Produktdesigner entwirft und produziert komplett in Eigenregie und schneidert im angesagten Stadtteil Linden derzeit noch ausschließlich auf Anfrage. Pauls Label heißt passend Hood Bags. Highlight ist bis dato die Neuinterpretation eines französischen Klassikers – der Handtasche „2.55“ von Chanel. Bei Hood Bags ist daraus die Umhängetasche Bomberette geworden. Quasi die Antwort des Viertels auf diese einfach wunderschöne, klassische Tasche, erklärt Paul nicht ohne Augenzwinkern. 

Die Hauptlinie wird aber definitiv von den Bauch- und Schultertaschen bestimmt, die bei Hood Bags in Diamantenform daherkommen und schon so manchen Abnehmer gefunden haben. Paul hat sich vom Mainstream der Gattung à la Eastpak & Co inspirieren lassen und wollte schlichtweg etwas neues mit hoher Praktikabilität wie hochwertigem Appeal schaffen. Weg vom työpischen Outdoor-Look und eher etwas für urbanen Lifestyle als für ein verlängertes Wochenende Überlebenstraining.

Unifarbene Dessinierungen mit weichen oder sportiven Strukturen treffen auf ausgefallene Musterungen im Innenteil. Das kann auch mal eine Weltkarte sein. Dazu haben Hood Bags ein integriertes Schlüsselband. Der Kranz über dem Reißverschluss fungiert jeweils als optische Weiterführung des Gurtes. Alles weitere läuft eh auf Wunsch der Kunden aus der Hood oder von anderswo. Den Vertrieb organisiert Paul via Facebook.

Alleinstellungsmerkmal ist die unübersehbare Diamantenform der Taschen. „Meine Entwürfe sollten urbaner, ja modischer aussehen. Ich hatte ein paar Entwürfe gemacht, konnte mich zunächst aber nicht entscheiden. Die Entscheidung fiel dann auf die Form des Diamanten“, erklärt Paul gegenüber Hannover Fashion Weeks.

„Da ich es nicht anders kenne, bin ich wie ein Industriedesigner vorgegangen: Ich habe die Form im CAD aufgebaut, mir die Abwicklungen ausgedruckt und losgelegt“, fährt der Labelgründer fort. Den Umgang mit der Nähmaschine musste Paul dafür erstmal lernen. Freunde und YouTube waren da zur Stelle.

„Eine Herausforderung bestand darin, bei neuen Taschenmodellen eine gestalterische Verbindung zu den älteren herzustellen. Das heisst eine Corporate-Identity aufzubauen, so dass man jeder Tasche ansieht: Das ist ’ne Hood Bag.“

Wir behalten Paul, der übrigens an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (geht in diesem Fall in Ordnung) studiert hat, in jedem Fall im Auge und werden ihn in nächster Zeit intensiv zu einer #HFW-Bag aus der Hood inspirieren.

 

 

Labels

Upcycling im Super Fashion Rainbow Camp


Keine Kommentare

Schon der Name knallt. Lasst Euch Super Fashion Rainbow Camp (SFRC) mal auf der Zunge zergehen. Da entstehen wunderbarste Assoziationen, die aber nicht im Geringsten wiedergeben könnten, was dieser Labelname überhaupt beinhaltet. Denn genauso ungewöhnlich wie außerordentlich ist auch der Anspruch, den die beiden Gründerinnen haben: Sie machen Upcycling-Mode. Und zwar ausschließlich.

SuperFashionRainbowCamp(c)Thomas Kupas

Bea Landsbek und Lisa Adler sind zwei unkonventionelle junge Frauen. Gemeinsam mit sechs anderen Modedesignerinnen sitzen die beiden in hellen Räumlichkeiten des Helmkehofs in Hannover-Hainholz. Hier haben sie im Frühjahr 2014 die Huso Huso-Studios, eine Werkstattgemeinschaft von fünf Labels, gegründet.

Die jungen Frauen haben der Verlockung der weiten Welt und der Modemetropolen wie London, Paris oder Berlin widerstanden und sind nach ihrem Studium in Hannover geblieben. Eine mutige Entscheidung, denn der Modezirkus und die wichtigen Shows finden hauptsächlich dort statt. In Hannover spielen die 30-jährige Lisa Adler und die 35-jährige Beatrix Landsbek dafür nach ihren eigenen Regeln.Husu Huso Studio(c)Thomas Kupas„Die geschäftliche Kommunikation über das Internet funktioniert immer besser und man verkauft ohnehin auf den großen Messen, nicht unbedingt am Standort“, erklärt Beatrix. 2010 gründete sie mit Lisa noch während des Modedesign-Studiums das Label.

Kennengelernt haben sie sich bei einem kleinen Projekt beim Autofreien Sonntag in Hannover: Passanten konnten sich spontan gebrauchte Kleidungsstücke umgestalten lassen. Schnell war den beiden klar, dass sie auf einer Wellenlänge liegen und keine gewöhnlich produzierte Mode machen wollen. SFRC wurde so von vornherein ein Upcycling-Label. „Natürlich ist es mutig, ein eigenes Label zu gründen. Aber wir leben für diese Idee und können uns nichts anderes vorstellen“, sagte uns Lisa beim Interview.

Die Kleidung von SFRC weicht vom regulären Herstellungsprozess mit Schnittmuster ab. „Wir wollen hochwertig verarbeitete Blusen, die gut am Körper sitzen. Bei unserer Art und Weise mit Upcycling umzugehen, spielen Schnittmuster keine Rolle“, erklärt Beatrix.

Hierfür werden Reste von Stoffproduktionen (Verschnitt, Muster, Proben) oder Materialien, die in einem anderen Kontext verwendet wurden, zu einem höherwertigen Produkt verarbeitet. Bei SFRC sind es derzeit getragene Herrenhemden, die in einem ausgetüftelten Verfahren und standardisierten Herstellungsprozess mit so wenig Überschuss wie möglich zu hochwertigen Blusen umgenäht werden.

Obwohl der Begriff Upcycling schon in den Neunzigern in Amerika aufkam, ist er erst in den letzten Jahren populärer geworden. Seit Missstände wie in den Textilfabriken in Bangladesh bekannt wurden, entwickelt sich ein Umdenken. Fragen zu den Herstellungswegen und Arbeitsbedingungen der Näherinnen mehren häufen sich.

Zum Gedenken an den Fabrikeinsturz wurde 2014 der Fashion Revolution Day am 24. April initiiert. Bei dieser weltweiten Kampagne dreht sich alles um die Frage „Who made my clothes“. Designer, Hersteller und Einzelhändler stellen nachhaltige Produktionsverfahren vor oder machen mit Aktionen auf die katastrophalen Zustände in der Modebranche aufmerksam.

SFRC beteiligten sich ebenfalls und zeigen in Hannover Interessierten, wie man aus alten ausrangierten T-Shirts mittels Knotentechnik schicke neue Tops zaubert. Auch 2015 war das junge Label wieder beim Fashion Revolution Day mit dabei und lud zu einem Upcycleabend in die Studios.

Upcycling-Fashion ist viel mehr als ein Trend, die Szene wächst. Das Segment ist zuletzt sehr gewachsen und zielt langfristig auf geschlossene Materialkreisläufe. Nachhaltigkeit und bewusster Kleiderkonsum liegen im Fokus. In Hannover sind die Weichen gestellt.

Fotos: Thomas Kupas