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Couture vor Ort

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Pfadfinder-Styles räumen ab: Edda Wielert gewinnt Dortex Fashion Award 2015


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Der mit 2.000 Euro dotierte Dortex Fashion Award geht in diesem Jahr an die Fahmoda-Absolventin Edda Wielert. Wir waren natürlich schon bei den Fashion Finals 2014 von ihren Pfadfinder-Styles begeistert. Inspiriert von der naturverbundenen Jugendbewegung und Wes Andersons Film „Moonrise Kingdom“ hat Edda mit „My boyfriend was a cub scout“ eine Kollektion aus ausschließlich recycelten Materialien entworfen.

Bei der Dortex-Award-Show in Dortmund wurde die junge Designerin, die ihre berufliche Laufbahn erstmal am Schlosstheater Celle aufgenommen hat, in der Kategorie Textilkunst ausgezeichnet. Vor einer Jury aus Modejournalisten, Designern, Bloggern und Künstlern konnte die Fahmoda-Absolventin sich gegen 300 Mitbewerber durchsetzen.

Ihre Kollektion ist ein Statement für Nachhaltigkeit und den bewussten Umgang mit Ressourcen, verknüpft mit avantgardistischem Kostümdesign. Verwendet wurden ausschließlich recycelte Materialien, die bereits einen Lebensabschnitt hinter sich gelassen haben wie Zeltplanen, Decken oder Wäscheleinen.

Die Outfits sind dazu mit aufwendigen Stickereien veredelt. Indem charakteristische Merkmale wie Verschlüsse oder Nähte der recycelten Produkte teilweise erhalten bleiben, geben die neuen Stücke auch Hinweise auf ihre Vergangenheit. Mit surrealer Motiv- und Formsprache – inspiriert von Wes Andersons „Moonrise Kingdom“ – hinterfragt die Designerin dazu die Routinen des Alltags, ebenso wie die Hauptfiguren des Films.

Das prämierte Kostüm aus einem lässigen Hemd-Overall und einem Oversized-Parka steht symbolisch für den spielerischen Umgang mit dem Thema Freundschaft und der typischen Symbolsprache von Pfadfindergruppen. Die gerade geschnittene Jacke zeichnet sich durch eine klare Formsprache aus, unterstützt durch die eckigen aufgesetzten Taschen und Teilungsnähte. Dieser erste Eindruck des Parkas wird jedoch durch ein überraschendes Detail im Rückteil gebrochen: die übergroße Kapuze in Form eines Bärenkopfes.

Das Motiv dieses aufwendig gearbeiteten Patchworks spielt ebenfalls auf die Symbolsprache von Pfadfindergruppen an, welche Tiermotive als Erkennungszeichen als Symbole gemeinsamer Identitäten verwenden. Materialfundstücke für den Parka waren ein gebrauchtes Zelt, ausgetragene Jeanshosen  – und für das Jackenfutter ein Polstermaterial in Steppoptik.

Der Overall zeichnet sich durch einen Unisex-Schnitt aus. Die Hemdform des Oberteils wird durch die Knopfleiste ergänzt, der Rundhalsausschnitt bricht mit der strengen Form eines klassischen Hemdes und macht den Overall in Kombination mit der kurzen, tiefsitzenden Hose zu einem lässigen Streetwear-Outfit. Die dabei verwendeten Textilien waren ursprünglich ein Herrenhemd und eine Damenhose. Muster und Farbe greifen die Sepia-Welt der 60er Jahre von Wes Andersons „Moonrise Kingdom“ ebenso stringent auf.

Fotos: Patricia Kuhfüss

 

 

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Morbide Eleganz: Sabrina Dortmunds „Graue Herren“


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Mit „Die Grauen Herren“ hat Sabrina Dortmund die erste Lingerie-Kollektion als Bachelor-Arbeit an der HSH vorgelegt. Eine überaus geglückte Premiere, die ihre Inspiration aus Tauben schöpft, einem vielleicht trivialen, aber prägenden Begleiter unseres alltäglichen Stadtbildes. Ein unbewusster Vertrauter im urbanen Milieu. Entstanden ist so ein eindrucksvolle Kollektion zwischen Eleganz und Morbidität.

Unterwäsche ist jenes stoffliche Medium, das dem menschlichen Körper am nächsten ist, die maßgebliche Verbindung von Körper und Kleidung darstellt. Neben ihrer reinen Funktionalität formt sie Profil und Konturen und bereitet die elementare Manipulation der Silhouette, um sich einem zeitgenössischen Ideal zu nähern. Dem würde Sabrina Dortmund so sicher auch nicht widersprechen. Als Hospitantin beim Berliner Lingerie-Label Blush hat sie nicht nur viel über hochwertige Verarbeitung gelernt.

Perfekte Maßkonfektionen aus zarten Stoffe und fließenden Längen schaffen bei ihr eine melancholische Grundstimmung, die sich in flüchtiger Romantik verliert. Die Designerin der „grauen Herren“ stellt zwar aktuelle Schönheitsbegriffe zynisch in Frage und begreift die finite Formel des idealen Körpers als Dystopie, herausgekommen ist dabei trotzdem eine Liebeserklärung an die angezogene Blöße.

Fotograf: Jörg Merlin Noack
Model: Anna Sarah Erxleben
Visa: Caro Dette

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Vom Sound einer Kollektion: Lilo Müllers „Synexxthetics“


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Lilo Müllers Abschlusskollektion „Synexxthetics“ schöpft ihre Inspiration aus dem Phänomen der Synesthäsie, der Erfahrung von zwei Sinneswahrnehmungen auf einen singulären äußeren Reiz. Im Zentrum steht die Rezeptionsidee von Farbe durch Klang, wobei der Rezipient Klänge und Worte mit bestimmten Farbe assoziiert. Dieses Prinzip war die Grundlage für die Kollektionsentwicklung von Synexxthetics.

Synexxthetics_1Basierend auf dem Debütalbum “XX“ (2009) der britischen Band The XX, arbeitete die Designerin an einem Experiment, Musik in Mode zu übersetzen. Dabei beschränkte sie sich nicht nur auf die reine Farbwahrnehmung, sondern auf ein Gesamtkonzept zur Formwahrnehmung, wie Silhouette und Linienführung sowie Oberflächenstruktur.

Synexxthetics_by_Lilo_Müller_2

Einzeln wurde der musikalische Aufbau jedes Titels des Albums analysiert, um Beats, Rhythmen, Lautstärke und Dynamik in Gestaltungsmittel zu übersetzen. Der Designerin ist es gelungen, Elemente aus der Musik auf Kleidungstücke zu übertragen, indem sie durch Schnitt und Haptik den Träger in seinem Bewegungsverhalten beeinflusst, ihm Freiraum gibt oder beschränkt, ihn schützt oder preisgibt.

Aus einem außergewöhnlichen Forschungsthema ist eine innovative HAKA-Kollektion entstanden, die nicht nur durch einen hohen künstlerischen Anspruch, sondern auch einen richtungsweisenden kreativen Prozess überzeugt. Wir freuen uns deshalb ganz besonders, hier auch noch zwei Skizzen zu Lilo Müllers herausragender, synästhetisch inspirierter Kollektion veröffentlichen zu dürfen…

 

Fotografin: Nadine Stapel
Modelle: Nick Zierske

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Boom gewinnen bei Mados Infekcija


Robin Rau und Jing Jing Qui haben mit der Herbst-/Winterkollektion 2015 ihres jungen Labels Boom den Nachwuchspreis des Fashion-Festivals Mados Infekcija in Litauens Hauptstadt Vilnius gewonnen. Mit fünf Outfits aus der „Woman of the Forest“ betitelten Kollektion haben die beiden Absolventen des Modedesign-Studiengangs der Hochschule Hannover den Sprung ins Finale geschafft und gehören zu den fünf Labeln des Festival-Wettbewerbs, die Ende März nochmal in einer Extended Version auf dem Catwalk präsentieren dürfen.

Das Förderprogramm von Mados Infectia ermöglicht ihnen erstmal, weiter an der Kollektion zu arbeiten und einzelne Teile noch zu verfeinern. Eingeladen waren 15 ausgewählte Kollektionen. „Woman of the Forest“ ist zudem die gemeinsame Bachelor-Arbeit von Robin und Jing an der HsH.

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Strahlende Designer: Jing Jing Qui und Robin Rau beim Mados Infekcija in Vilnius.

„Wir freuen uns schon fast ein teil der Tradition zu sein“, erklärt Robin gegenüber HFW. Denn vor Boom hatten 2013/14 bereits HSH-Studenten beim Mados Infekcija gewonnen: das Denim-Couture-Label Balagans und das bereits 2006 von Astrid Großer und Gerti Heinrich gegründete Womenswear-Label Großer Heinrich.

Für ihre „Woman of the Forest“ haben die beiden Designer von der HSH eine fiktive Frauengesellschaft entwickelt, die irgendwo zwischen Märchen, Mythologie und Gegenwart in den Wäldern eine gleichgeschlechtliche Hochzeit feiert.

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Ihre fantastische Frauengesellschaft scheint alles an sich gerafft zu haben, um sich stilvoll und einzigartig zu kleiden. Menswear-Silhouetten erzählen von Emanzipation. Seidenanzüge und Fellmäntel von femininer Kraft und Schönheit.

Europäische Schnitttechnik trifft dabei auf asiatische Muster und eine Vielzahl von Materialien unterschiedlichster Qualitäten: Wolle und Seide auf der einen Seite, High-Tech-Stoffe von Jakob Schlaepfer auf der anderen. Ausschließlich gebrauchte Pelze werden aufwendigen Up-Cycling-Prozessen unterworfen und schließlich zu Capes, Mänteln oder Intarsien.

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Das Farbspektrum reicht dabei von Variationen in Schwarz über helle Töne bis zu metallischem Orange und Pink. Stickereien. Im Zentrum steht ein trägerloses Brautkleid, dessen Schleier wie ein Impuls für die weiteren Kopfbedeckungen der „Women of the Forest“ wirkt.

Zwischen Altar und Dickicht, Natur und Couture, Gegenwart und Vergangenheit – das ebenso abstrakte wie spannungsvolle Inspirationsfeld dürfte beiden genügend Raum für diverse Weiterentwicklungen der Kollektion bieten. #HFW wünscht in jedem Fall viel Glück bei der Endausscheidung von Mados Infekcija im März. Mehr zum Label Boom gibt es hier…

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