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Couture vor Ort

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M3 Previews: Carolin Böttchers „Vit Blomma“ ist vom Mittsommer und Frank Stella inspiriert


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Der Februar wird intensiv. Nach der Bachelor-Ausstellung an der HsH am 4. Februar zeigt die M3 Campus am 6. Februar in der Galerie Herrenhausen gleich drei Durchläufe der Werkschau ihrer Absolventen 2016. Wir bringen passend dazu in Zusammenarbeit mit Lisa Justine Photography vorab einige ausgewählte Kollektionen und Lookbooks. Den Startschuss macht Carolin Böttchers  „Vit Blomma  – What you see is what you see“. 

Die DOB und HAKA Streatwear-Kollektion ist einerseits vom schwedischen Mittsommer und andererseits von dem für seine analytische Farbfeldmalerei bekannten amerikanischen Künstler Frank Stella inspiriert. Vereint mit dem Minimalismus, die Reduktion von Farbe und Form, ist dabei eine trendorientierte Kollektion entstanden, die Wert auf skandinavische Schlichtheit legt.

Bis auf einen feinen Brombeer-Ton, etwas Grau und ein paar Gelbspritzer sind die Looks in reinem Weiß gehalten.  Der Kollektionsname „Weiße Blüte“ insistiert auf charakteristische Eigenschaften der Nicht-Farbe, die sowohl den Minimalismus, als auch den Mittsommer beschreibt. Die Kollektion für Frühjahr/Sommer 2017 ist neben dem reduzierten Farbspektrum durch gerade und schlichte Schnitte, gepaart mit dezenten Details geprägt.

Fotograf: Lisa Justine
Haare/Make-up: Jennifer Lübke
Models: Dominik Hoffmann, Sophia Marienfeldt

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„Darling, let’s be Adventurers“ – Franziska Füllgrafs Hommage an die Alpen und ein Label namens Oxymoron


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Franziska Füllgrafs Ready-to-wear-Kollektion „Darling, let’s be Adventurers” war eines der Highlights bei den Fashion Finals 2015. Seit Anfang des Jahres gehört die Kollektion von Franziskas frisch gegründetem Label Oxymoron nun zu einer von sieben Linien, die das Startup Bewusstsigner in seinen Online-Shop aufgenommen hat. Das Portal bietet Designern die Möglichkeit, ihre im Rahmen von Abschlussarbeiten entstandenen Kollektionen potenziellen Käufern vorzustellen und sie im Bestfall professionell produzieren und vermarkten zu lassen. Dabei will das Start-up eine ganzheitliche Infrastruktur zur Verfügung stellen, die bis zum Bedrucken der Hangtags reicht. Im Laufe des Februars wird  sich zeigen, ob genügend potentielle Käufer zusammenkommen, so dass sich die Produktion in entsprechend kleiner oder moderater Stückzahl lohnt. Auch im Falle von Oxymoron und „Darling, let’s be Adventurers“. Wir drücken kräftigst die Daumen und zeigen hier nochmal die ganze Bandbreite der Kollektion von den Skizzen bis zum Lookbook.  

Inspiriert von den Alpen und von der vom Aussterben bedrohten Wildkatze hat Franziska mit „Darling, let’s be adventurers“ tragbar sportliche und zugleich romantische Outfits in zarten Pastell- und Grautöne geschaffen. Das Außergewöhnliche sind nicht nur die individuellen Prints, die Motive von Bergkarten und Landschaften aufgreifen, sondern auch die raffinierten Schnitte. So zitiert Füllgraf das Auf und Ab der Bergketten etwa mit unterschiedlichen Lamellenformen und Cut-Outs in ihren Kreationen. „Mich fasziniert diese Willkür, dieses Auf und Ab“, so die 22-jährige Designerin. „Meine Kollektion richtet sich an abenteuerlustige Menschen, die ihre Kleidung nicht nur spüren, sondern auch erleben wollen.“ Back to basics, back to nature.

Mit diesem Ansatz begeisterte die Fahmoda-Absolventin Publikum wie Presse. Und die Jury des UVR Connected Fashion Awards, wo sie es 2015 bis ins Finale schaffte. Ihre  Hommage an die Alpen und die dort lebende Wildkatze, deren Eleganz und Geschmeidigkeit man auch in den einzelnen Looks nachfühlen können soll, hat auch uns ziemlich beeindruckt.

Oxymoron hat Fransziska ihr junges Label allerdings aus ganz anderen Gründen genannt. Oxymoron hieß auch ihre erste Kollektion an der Fahmoda. „Damals hab ich mich ursrprünglich von dem Film the ‚Shining‘ inspirieren lassen und von Krankheiten, wie Psychosen und Schizophrenie“, berichte die Designerin gegenüber hannoverfashionweeks.com. Außerdem passe der Titel zu all den Widersprüchlichkeiten und Verunsicherungen im Laufe des kreativen Prozesses bis zur Fertigstellung einer Kollektion oder nur eines einzelnen Teils, einer Skizze.

Fotos: Marian Lenhard, Victoria Storck, Tobias Brabanski, Natalia Löwen
Haare/Make-up: Polly Paulina
Illustrationen: Franziska Füllgraf

 

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Rauch einer Generation: Vivien Haufs DOB-Kollektion „ID Maybe“


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Designerin Vivien Hauf arbeitet nicht nur gelegentlich als Stylistin für Lisa Justine Photography, sondern hat im vergangenen Frühjahr auch ihren Abschluss an der Fahmoda gemacht. Ihre Kollektion „ID Maybe“ ist uns vor allem ihrer massiven Schwarztöne wegen ziemlich gut in Erinnerung geblieben. Und das nicht nur, weil unseren nikotinverseuchten Hirnen der Marlboro-Slogan „Don’t be a Maybe. Be“ so gut gefallen hat, den Vivien zum Ausgangspunkt
 der Kollektionsentwicklung erklärt hatte. 

Die DOB-Linie für Herbst/Winter 2015/16 bewegt sich im Bereich der Haute Couture. Vivien will sie als Hommage an die Typisierung der „Generation Maybe“ (irgendwo zwischen X und Y) verstanden wissen. 
Gleichzeitig stehen die femininen Styles im Vexierspiel von Schein und Sein, virtueller Identität und Wirklichkeit, zwischen Wertekanon und Zerfall und sollen die Überforderung in Zeiten der multi-optionalen Existenz akzentuieren.

Die Kollektion beinhaltet sowohl klassisch, tragbare Looks als auch avantgardistische Statement-Outfits.  Opulente, detailreiche und individuelle Noten setzen dem Vielleicht-Konzept von „ID Maybe“ dann am Ende doch ziemlich tragende Eigenschaften entgegen.

Fotos: Lisa Justine Photography

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One Green Elephant: Streetwear aus Tokio mit deutscher Zentrale in Hannover


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Das ziemlich angesagte japanische Denim- und Streetwear-Label One Green Elephant (OGE) ist seit 2008 auf dem deutschen Markt präsent. Die Deutschland-Zentrale inklusive Lager ist in Giesen bei Hannover ansässig. In der Leine-Metropole betreibt das Label außerdem einen Store in der Ernst-August-Galerie. Wir zeigen hier deshalb mal die aktuelle Herbst-/Winterkollektion des Labels, ein paar Aufnahmen vom neuen Store-Design und einiges mehr. 

OGE-Deutschland-Chef Tarkan Salar durften wir schon auf der Premium im Sommer kennen lernen. Zusammen mit Kollegin Luisa Verfürth hatte er den Messestand des Labels im Kühlhaus während der Sommers-Ausgabe der Berliner Modemesse komplett mit Models bevölkert, die in den ziemlich heißen Teilen der Spring/Summer Collection für 2016 einfach so abhingen. Sehr sehenswert war das.

Ebenso die heißen Biker-Pants aus vier Millimeter dünnem Ziegenleder für nächsten Sommer. Leder und Leder-Optiken sind auch aktuell zentrale Themen von One Green Elephant. Neue Neue Färbetechniken erzeugen gewaschene Vintage-Optik, neue Qualitäten wie Lammnappa und Ziegenleder kommen mit leichtem Wachs-Finishing. Bei den Hosen gibt es erstmals „Viskose-Denims“ sowie Baumwoll/Modal-Qualitäten mit Powerstretch. Bei Denim stehen runtergewaschene Farben neben extrem gebleachten und überfärbten Indigos. Das war auch am Premium-Stand zu erleben.

Das Design der Marke ist generell von den Fashion-, Kunst- und Musikszenen der Weltmetropolen wie New York, Shanghai, London, Tokyo und Berlin inspiriert. Feine Details, kolorierte Muster und dekorative Accessoires sind charakteristisch für das Label. Mut zur Farbe wird dabei großgeschrieben, denn im Land der aufgehenden Sonne steht diese in engem Zusammenhang mit persönlichen Gemütszuständen.

Der Elefant steht für ausgefallene, aber straßentaugliche Kreationen, die gerne auch elegant daher kommen dürfen. Neben körperbetonten Schnittformen sorgen immer wieder Tüll, Ziersteine sowie Blumenapplikationen am Dekolleté für den femininen Charakter vieler OGE-Jerseykleider und Tops. Für die stilsicheren Herren darf es vor allem lässig sein, ergänzt mit Usedeffekten und Nieten an Oberteilen und Hosen.

Fotos: One Green Elephant, Rüdiger Oberschür/hannoverfashionweeks.com

 

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BOOM Studio: Vom Mados Infekcija zur Capsule Collection bei New Skin und einer Show mit Balagans


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BOOM Studio waren die Eyecatcher beim Mados Infekcija 2015. Die litauische Presse zeigte sich begeistert vom Debut „Woman of the Forest“. Ebenso der Konzeptstore New Skin Image House in Vilnius, der BOOM mittlerweile ins Sortiment aufgenommen hat. Robin und Jing Jing, die kreativen Köpfe hinter dem explosiv klingenden Label, haben ihre Laufstegkollektion dafür auf eine vierteilige Capsule Collection reduziert, die seit Anfang Oktober nun bei New Skin geführt wird. Die Kollektion ist in Deutschland gefertigt und arbeitet mit den „Woman of the Forest“-Prints in exklusiven Baumwoll- und Seidenqualitäten. Teile der Kollektion gibt es auch bei einer hiesigen Modenschau am 14. November in Kooperation mit Balagans zu sehen. Doch die Kapsel ist längst nicht alles: Seit ihrem fulminanten Auftritt beim Mados Infectija haben BOOM an Fotostrecken und Kampagen gearbeitet, auch mit Stylistin Luisa Verfürth. Robin wie Jing Jing sind nach dem Bachelor an der HsH nach Bremen geganen – Robin für den Master, Jing Jing für ein Praktikum. Wir konnten die beiden für ein Interview gewinnen,  um die noch junge Geschichte von BOOM einmal zu reflektieren.

HFW: Wie ist es überhaupt zur Gründung von BOOM gekommen?

Robin Rau: Wir beide haben uns erst im vierten Semester richtig kennengelernt und arbeiteten zu der Zeit beide parallel an verschiedenen Kollektionen. Wir stellten fest, dass sich unsere Ideen und Interessengebiete sehr gut ergänzen und entschieden uns, das kommende Semester zusammen zu arbeiten. Als Team haben wir in dem Projekt ‚Nach neuem Trachten‘ eine experimentelle Couture-Kollektion entworfen, die sich explizit mit dem Sterben der Tracht auseinandersetzt. Die Kollektion wurde zum Höhepunkt des Projektes und ist seit dem nicht nur in Hannover und Bückeburg gezeigt worden, sondern auch zur Berlin Fashionweek und in Mailand.

Jing Jing Qi: Seit dieser Kollektion arbeiten wir Seite an Seite an Modenschauen und Kollektionen. Für unsere Bachelorarbeit entschieden wir uns noch, alles getrennt voneinander zu entwickeln. Der Austausch blieb aber bestehen, so dass wir zwei unterschiedliche Kollektionen entwickelten, die wir nach dem Bachelor unter BOOM Studio neu zusammenbrachten. Dieses Prinzip des getrennten Arbeitens und dem nachträglichen zusammenbringen wurde unser Manifest. Hier betonen wir auch unsere Nationalitäten, ich aus China und Robin aus Deutschland. Dieser kulturelle Clash macht BOOM aus.

HFW: Welche Bedeutung hatte das Mados Infekcija für Euch und das Label – jetzt mit einigem zeitlichen Abstand?

RR:  Das Festival und der Wettbewerb Mados Injection waren die Möglichkeit unser Debüt auf internationalem Parkett zu präsentieren. Wir hatten jegliche Freiheit für die Präsentation. Als junges Label ohne Finanzierung war dies eine großartige Chance sich zu positionieren. Soweit, das wir sogar für nächstes Jahr wieder eingeladen worden sind. Für uns bedeutet das: weitermachen, denn wir haben dort gemerkt das unser Experiment BOOM Studio geglückt ist. Wir arbeiten nun im klassisch saisonalen Rhythmus Frühjahr/Sommer, Herbst/Winter weiter.

HFW: Also arbeitet Ihr bereits an der ersten Frühjahr/Sommerkollektion? Was sind die nächsten Schritte?

JJQ: Ja, genau, an der ersten Sommerkollektion. Das heißt: getrennter Stoffeinkauf, gemeinsame Meetings und Anproben. Wir haben schon die Pre- Summer-Kollektion geshootet und nähen, nähen, nähen.

HFW: Ihr arbeitet bis zu einem gewissen Moment getrennt voneinander. Was würdet Ihr sagen, macht Eure Art zu designen sonst noch aus?

RR: Die ausgeglichene Arbeitsweise. Wir arbeiten konzentriert mit einer großen Portion Witz. Unsere Arbeitsweise ist sehr spontan und wird ständig optimiert. Zudem sind wir sehr ehrlich zueinander. Wir respektieren unsere Meinungen und loten sie gemeinsam aus. Wir vermuten, es ist der Spaß an der Mode und nicht der Ernst.

HFW: Was sind Eure Ziele für die nahe Zukunft?

JJQ: Wir arbeiten an unsere Internetseite mit Onlineshop, wo wir zukünftig direkt nach unserer Show Kollektionsteile verkaufen wollen. Natürlich stehen Modenschauen und Wettbewerbe an, um eine gute Art der Finanzierung für unser Label zu bekommen. Wir machen in jedem Fall weiter und wollen, je nachdem was passiert, bald auch auf Messen gehen.

HFW: Ihr seid beide HsH-Absolventen. Was würdet Ihr sagen, war das besondere an der Ausbildung hier in Hannover?

RR: Die Unterstützung und die tollen Projekte, welche uns ermöglicht haben das komplette Paket zu bekommen. Das bedeutet neben der klassischen Ausbildung zum Modedesigner mit Schnitt, Fertigung, Illustration und dem schöpferischen arbeiten zudem die Organisation von Modenschauen in interdisziplinären Teams, Buchveröffentlichungen und Ausstellungen kennenzulernen. Dieses Komplettpaket ist selten zu finden. Zudem kann man sich noch unabhängig und eigenständig entwickeln. Man sieht es ja jedes Jahr beim Modepreis- jeder Absolvent findet seine eigene Formsprache.

HFW: Ihr habt Euer Label hier in Hannover gegründet. Was bedeutet das für Euch? Empfindet Ihr hier bisher eine besondere Form von Unterstützung?

RR: Von der Hochschulseite und unseren ehemaligen Professoren erfahren wir viel Zustimmung und Hilfe. BOOM Studio war auch zum Modepreis 2015 im Schauraum Horizonte im tschechischen Pavillon zu finden. Jedoch arbeiten wir beide aktuell von Bremen aus.
 HFW: Jing Jing, Robin, vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: BOOM Studio, Martin Prötter

Video: Mados Infekcija

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Schwarze Romantik: Designerin Aleks Kurkowski


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Aleks Kurkowski ist die Queen of Blackwear. 2012 gründete die Designerin nach ihrem Abschluss an der HsH und ersten beruflichen Schritten in der Modeindustrie ihr eigenes Label. 2013 wurde der Firmensitz in Berlin etabliert und wird derzeit nach Düsseldorf verlegt. Zweimal hat das Label bereits auf der MBFWB gezeigt. Zuletzt die Kollektion „Romanticism & Reality“ für Herbst/Winter 2015/16. Thema: die Weltauffassung aus Sicht der Künstler der Romantik. Dabei stehen grobe Woll-Walkstoffe, schwere Baumwolle und Leder im Vordergrund. Als Kontrast viel transparenter Chiffon und feine Woll-Anzugstoffe. Die Schnitte sind weit und offen, mit strengen Details ausgeführt. Roh, progressiv, aber geradlinig ist der Look, den die deutsch-polnische Designerin präsentiert. Farben? Keine Chance. Schwarz gehört die Gunst der Stunde. Wir sprachen mit Aleks Kurkowski über ihren (nachhaltigen) Stil und fanden ein Label-Porträt in Interviewform dabei eine ziemlich gute Idee. 

HFW: Aleks,  warum ist Schwarz so schön?  

Aleks Kurkowski: Schwarz ist unkompliziert und bleibt dennoch immer interessant. Farbe hingegen wird sehr schnell langweilig. Deshalb werden jede Saison ja neue Farbtrends angeboten, weil sich der Kunde zu schnell satt sieht. Das ist nichts für mich. Nicht-Farben wie Schwarz oder Weiß sind unvergänglich und für mich ein Muss, wenn man zeitlose Kleidung schaffen will.

HFW: Deine Schnitte sind sehr geradlinig, vieles wirkt auf progressive Weise geometrisch kalkuliert. Man erkennt dabei oft Dein Interesse an Architektur und Mathematik, was Du beides mal studieren wolltest. Wo siehst Du bei diesen avantgardistischen Entwürfen Deine Zielgruppe?

A.K.: Meine Entwürfe sind nicht für jederman, sondern für eine bestimmte, eher kleine Zielgruppe. Da muss man sich natürlich mehr bemühen, diese zu finden und die richtigen Vertriebswege suchen. Meine Zielgruppe sind individuell denkende, designorientierte Frauen und Männer, die sich bewusst, avantgardistisch und urban kleiden möchten.

HFW: Nachhaltigkeit in der Produktion ist ein weiterer Schwerpunkt bei Dir. Was heißt das konkret?

A.K.: Jede meiner Kollektionen basiert auf natürlichen, ökologischen Materialien wie Bio-Wolle, Bio-Seide, Bio-Baumwolle, Bio-Leinen und pflanzlich gegerbtem Leder und wird ausschließlich in Deutschland und Polen, meinen Heimatländern produziert. Dem Konzept treu zu bleiben ist manchmal schwer, da man in Bezug auf Stoffe und Zutaten beim Thema Nachhaltigkeit mehr eingeschränkt ist und (noch) nicht die vielfältige Auswahl hat. Trotzdem funktioniert es sehr gut. Man muss sich vor allem das richtige Konzept zusammenlegen.

HFW: Klingt, als würde es ziemlich gut laufen. Wie geht es dem Label Aleks Kurkowski zurzeit? Wie sind die Feedbacks auf Deine aktuelle Herbst-/Winterkollektion, auch im Rückblick auf die Show auf der MBFWB im Januar?

A.K.: Die Show auf der MBFWB im Januar war sehr erfolgreich. Und im Allgemeinen entwickelt sich mein Label sehr gut, obwohl es immer noch in Kinderschuhen steckt und noch viel Arbeit bedarf.


HFW: Du hast an der HsH Modedesign studiert. Wie blickst Du heute auf Deine Studienzeit zurück? Welche Inhalte und Bestandteile waren elementar für Dich, wovon zehrst Du noch heute?

A.K.: Ich blicke positiv aber auch wehmütig zurück. Manchmal wünsche ich, ich hätte bereits im Studium versucht, eine gewisse Qualität und einen gewissen Stil zu verfolgen, der mir jetzt sehr wichtig ist. Es ist schwer zu sagen, welche Inhalte und Bestandteile elementar waren, da es ja immer irgendwie um die Summe dieser geht. Vor allem bringt das Studium im Allgemeinen die Persönlichkeit weiter und die eigene Entwicklung, die ich nicht missen möchte.

HFW: Du bist als fertige Designerin erst in die Industrie gegangen, bevor Du Dein eigenes Label gegründet hast? Würdest Du es wieder so machen?

A.K.: Definitiv! Man kann kein Unternehmen führen, wenn man noch nie in einem gearbeitet hat. Das ist meiner Ansicht nach ein Fehler, den viele machen. Eigenes Label klingt erstmal sehr kreativ und voller Spannung. In der Realität sind es zehn Prozent Kreativität und der Rest ist Management. Da muss man eine gewisse berufliche Erfahrung mit sich bringen, sonst scheitert man schnell. In der Industrie arbeitet man als Designer oft im Bereich des Design Managements. Eine bessere Ausbildung als learning by doing kann man gar nicht haben.

HFW: Du hast gerade erst beim Modepreis 2015 in der Jury gesessen. Was sind Deine Empfehlungen an junge Designer und Absolventen, die es als Young Profashional schaffen wollen?

A.K.: Ob sie in die Industrie, zu einem Designer oder in die Selbstständigkeit gehen wollen, Engagement und die Lernbereitschaft für zusätzliche Bereiche der Branche sind äußerst wichtig. Kreativität hat man so oder so, aber zusätzliche Skills wie den Überblick für das Große und Ganze sind von Vorteil, da im Grunde alles zusammenhängt. Vor allem gibt es ein gewisses Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit, die in jeder Branche gut ankommen.

HFW: Du ziehst mit Deinem Label ja gerade von Berlin nach Düsseldorf – zwei deutsche Modemetropolen.  In Hannover wird derweil gerade sehr stark darüber diskutiert, wie man Modedesigner in der Stadt halten und unterstützen kann, damit sie ihre eigenes Label hier in der Stadt gründen. Wie siehst Du das, könnte man auch an der Leine mit einem eigenen Label erfolgreich sein?

A.K.: Ich bin der Meinung, man kann überall Erfolg haben. Es geht nur um das richtige Konzept. Jedem Standort muss man sich anpassen. Für ein Modelabel gilt es sich zu überlegen, welche Vertriebswege man einschlagen will. Den direkten Verkauf oder den B2B-Verkauf, oder beides. Das hängt oft mit dem Produkt zusammen und der Zielgruppe. In Hannover kann ein Unternehmen mit Produkt A und dem Konzept des regionalen Verkaufs sehr gut funktionieren, weil es genau die Zielgruppe Hannover trifft. Ein Unternehmen mit Produkt B verkauft in Hannover nichts, ist aber dafür auf den nationalen oder internationalen B2B-Verkauf ausgelegt und damit ebenfalls erfolgreich. Beide können es von einem und demselben Standort aus machen. Zusätzlich kommt der immer stärker werdende Online-Vertrieb, der Standorte völlig gleichgültig macht.

HFW: Wie schwer oder leicht ist es Dir gefallen, profitable Vertriebswege aufzubauen? Denkst Du schon über einen eigenen E-Commerce nach?

A.K.: Teils leicht, teils schwer. Vieles muss man ausprobieren, um zu schauen, ob es für das eigene Produkt in Frage kommt. Vor allem muss man sehr flexibel bleiben und immer wieder revidieren. Den Online Verkauf halte ich für sehr sinnvoll. Ich hatte bereits letztes Jahr einen eigenen Online Shop, der überarbeitet wurde und jetzt wieder online ist. Mittlerweile ist ein eigener Online-Shop keine große Sache mehr, da man gute fertige Sofware Angebote erhält, mit denen es nicht schwer ist schnell und kostengünstig einen optimalen E-Commerce aufzubauen. Es ist ein erster Weg, um überhaupt auszuprobieren, ob das eigene Produkt auf dem Markt funktioniert. Allerdings muss auch das Marketing stimmen.

HFW: Aleks, vielen Dank für das Gespräch! 

Fotos: Pokaz Mody W Ramach/ Mercedes Benz Fashion Week Berlin A/W 2015, Gerhard Eckardt

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Rückblicke in fließendem Weiß: Seo Yeon Hurs Modepreis-Kollektion „Min Cho“


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Ein Traum  in Weiß und scheinbar nahtlos fließenden Schnitten ist Seo Yeon Hurs Abschlusskollektion „Min Cho“ gewesen. Völlig zu recht hat sie damit den Modepreis Hannover 2015 und somit die Goldene Schere gewonnen. Ein guter Grund also, die Kollektion nochmals ausführlich vorzustellen. Eine Collage aus unseren Shooting-Bildern des Abends und den Lookbook-Aufnahmen von Arne Gutknecht sowie einer Zeichnung Seo Yeon Hurs.   

Was die Kollektion auf dem Catwalk im Design-Center so verführerisch und gleichzeitig avantgardistisch wirken ließ, ist die authentische Synthese von traditionell koreanischer Tracht und westlichen Modekonventionen. Seo Yeon Hur zeigt mit „Min Cho“ typische Elemente koreanischer Tracht wie Bändchen, das Prinzip des Bindens und Lösens, Mehrschichtigkeit und voluminöse Formen – kurz, das gesamte Bild des Hanboks. Binden und Lösen, Verhüllung und Mehrschichtigkeit umkreisen dabei geradezu die zeitgenössische abendländische Silhouette.

„Mein Ziel war, eine moderne Prêt-à-porter-Kollektion in Damen- und Herrenbekleidung zu entwickeln, welche traditionell koreanisches und westlich klassisches Design vereint“, erklärt die junge Designerin gegenüber Hannover Fashion Weeks. „Ich habe versucht, eine neue Perspektive zu schaffen, die sich von der bisher oft präsentierten asiatischen Mode abwendet und dafür nach neuen Formen sucht“, so seo Yeon Hur. Und das ist ihr ziemlich perfekt gelungen.

Die einzelnen Styles werden durch  Wickeln, Falten und Binden am Körper drapiert. Nahtlos wirkt das, schier endlos fließend, sehr harmonisch und stilvoll. Dazu ein Herrenmantel in einem Woll-Kaschmir-Gemisch, der ihr fast auch noch den Preis für das beste Menswear-Outfit eingebracht hätte, wie wir hinter den Kulissen erfahren haben.

Fotos: Arne Gutknecht, hannoverfashionweeks.com

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Man nennt ihn schon Konfektions-King: Designer William Fan


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„Welcome Home“ und „Jade Garden“ heißen die beiden Kollektionen, die William Fan in gerade mal einem halben Jahr zum „Designer to watch“ gemacht haben. Der Weißensee-Meisterschüler mit deutsch-chinesischen Wurzeln hat sie beide auf der MBFWB gezeigt, zuvor für Alexander McQueen in London gearbeitet und sich 2014 für die Gründung seines eigenen Labels in Berlin entschieden. Geboren und  aufgewachsen ist der Designer allerdings in Hannover und hat sein Abitur 2006 an der IGS Garbsen gemacht. Mehr als ein Grund für ein HFW-Porträt also.

Herkunft und Heimat sind die Themen von William Fans ersten beiden Kollektionen. Sein Berlin-Debut im Januar „Welcome Home“ war eine Hommage an das digitale Zeitalter und die Frage nach dem Zuhause in Zeiten von Schnelligkeit und Mobilität. Eine Kollektion für Männer und Frauen, die inspiriert war durch die Spannung zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und dem Retrofuturismus der 60er Jahre.

Mit 31 Looks und einer grünen Pflanzenwelt entführte Fan das Publikum während der Berliner Fashion Week auf die Straßen seiner zweiten Heimat Hongkong. Nach dem umjubelten Debüt im Januar waren die Erwartungen groß. Doch Fan überzeugt auf ganzer Linie.

Die Fachpresse nennt ihn bereits einen Konfektions-King und Wickel-Weltmeister. Taille, Hüften und Fesseln werden festgezurrt. Manche Kreationen erinnern an traditionelle Obis. Dazu immer wieder Reminiszenzen an Asien: Hemden mit Stehkragen, Troddeln, reiche Brokat-Stoffe, Jadeschmuck.

Die Kollektion  verbindet Erinnerungen an Reisen des Designers in die Metropole. In der Kollektion finden sich traditionelle asiatische Wurzeln sowie diverse Charaktere von den Straßen Hongkongs wieder, erklärt Fan. Klassische Materialien wie Schurwolle, Seide und Leinen werden ebenso verarbeitet wie reflektierende Stoffe und traditionelle chinesische Blumenmuster.

Neben Blusen, Kleidern, Hosenanzügen und Mantelkleidern ist das Highlight der Kollektion der Trenchcoat: oversized geschnitten überzeugt der Klassiker in futuristisch reflektierendem Stoff, natürlichem Leinen oder traditionellem, regenfesten Material. Die Farbpalette reicht von Weiß und Silber über Gelb, Khaki bis hin zu Violett. Die Basisfarbe bleibt Dunkelblau. Breite Gürtel, die entweder um Blusen aus gleichen Material gewickelt oder auch separat getragen werden, ergänzen den minimalistischen Look.

Dazu setzte Fan erstmalig, zusätzlich zu schwarzen Slippern und Schnürschuhen, Sneaker ein. Dazu kamen Accessoires wie runde Messingohrringe ein, die man wie ein Headset trägt.  Jadeschmuck bildete den krönenden Abschluss in Form von großen Ringen, die entweder im Haar eingebunden oder als Kette getragen werden können. Federn, die als Einstecktücher dienen.

„Ich habe es als Kind schon immer toll gefunden sich zu inszenieren. Mode war das perfekte Medium dafür.“, antwortet William auf  die Frage, ab wann ihm klar gewesen sei, dass er Mode machen wolle. Oft begleitete er Mutter und Schwester zum Einkaufen und kam so schon früh in Kontakt mit Farben, Stoffen und Silhouetten. „Meine Mutter hat mir das Nähen sehr früh beigebracht und seitdem war mein Drang nach selbst kreierter Kleidung groß“, erklärt der Designer gegenüber Hannover Fashion Weeks.

Zu seiner deutschen Heimatstadt hat William ein entspanntes Verhältnis. Seine Eltern wohnen noch in Osterwald. „Ein winzig kleines Dorf, 20 Kilometer  von der Stadt entfernt. Wenn ich aus meinem Kinderzimmer sah, gab es nur Wald, Kühe und Felder. Es war schön von soviel Natur umgeben zu sein.“ Die ersten Lebensjahre wohnte die Familie noch in einer Stadtwohnung in der List mit Blick auf die Eilenriede.

„Ich versuche aber so oft wie möglich es nach Hannover zu schaffen. An Weihnachten feiert unsereFamilie immer eine große Weihnachtsparty im Haus meiner Eltern und daher trifft man mich an Weihnachten auf jeden Fall in Hannover an.“, erklärt William, auch wenn die Selbstständigkeit in zeitlich voll einnehme.

Wir mussten natürlich noch fragen, warum er nicht auf eine der hiesigen Modeschulen gegangen ist. Darauf hat William allerdings auch eine sehr fundierte Antwort: „Ich wollte nach Abitur und Zivildienst ins Ausland. Für meine Kindheit und Jugend war Hannover eine tolle Basis. Mich zog es dann zum Bachelor nach Arnheim in den Niederlanden an die dortige Kunsthochschule. Mir war der Schwerpunkt auf Kunst und das interdisziplinäre Arbeiten wichtig.“ Deshalb hat er sich dann drei Jahre nach seinem Bachelor auch für den Master an der besonders interdisziplinär ausgerichteten Kunsthochschule Berlin Weißensee entschieden. Nun, müßig zu erwähnen, dass William Fan auch für uns zum „Designer to watch“ geworden ist.

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Nägel, Nieten, Stanzeisen: „Modifications“ aus Stein von Lynn Bollmeyer


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Mode aus Stein? Stein als Stoff? Designerin Lynn Bollmeyer experimentierte für ihre Abschlusskollektion an der Fahmoda, die auch bei den Fashion Finals im April zu sehen war, mit dem außergewöhnlichen Material Schiefer. Dabei erschuf die Designerin eine Kollektion, die den Spagat zwischen Härte und fließenden Silhouetten mit geradezu spielender Leichtigkeit schafft.

Lynn stanzte Löcher aus, drapierte Gesteinsschichten mithilfe von Zangen und brachte vorsichtig Nägel und Nieten an. So wurden aus hauchdünnen Steinplatten avantgardistische Outfits mit Couture-Charakter. „Die Oberteile und Rücke sind aus Schieferplatten, die ich mit Schnallen und Stanzeisen bearbeitet habe“, erklärt Lynn gegenüber Hannover Fashion Weeks. Auch auf der Style Stage im Felix während der Berlin Fashion Week sorgte ihre Kollektion mit dem geheimnisvollen Titel „Modifications“ für Aufsehen.

Ausgangspunkt für die Kollektion war ritueller Körperschmuck – also Body-Modifications. Hierzu suchte Lynn Inspiration aus der ganzen Welt, und setzte sich insbesondere mit den verschiedensten Techniken aus unterschiedlichen Kulturen auseinander. Schwerpunkt: Brandings, Piercings und Tattoos. Ästhetische Spielarten, die zumindest in den westlichen Kulturkreisen polarisieren. “Was für die einen aber  befremdlich wirkt, ist für die anderen ein Schönheitsideal“, sagt die Designerin.

Die Ergebnisse ihrer Recherchen appliziert die junge Designerin auf ihre Kollektion und initiiert geradezu einen Dialog der Extreme. „Ich wollte mit meiner Kollektion diese ambivalenten Gefühle ausdrücken, die mit Veränderungen der Körperoberflächen verbunden sind. Daher kommen auch die Masken mit den Piercings zum Einsatz. Alles dreht sich um das Spannungs- und Spielfeld Haut, die zugleich künstlich und natürlich ist, mal mit Metallen gehärtet und mal weich wirkt”, erklärt Lynn gegenüber Hannover Fashion Weeks.

Unser Freund und Hairstylist Pierre „HairRock“ Heinemann hat Lynns Kollektion auf seine ganz eigene, unvergleichliche Art und Weise fotografisch in Szene gesetzt. Und zwar für kein geringeres als das Dauer-inspirierende HUF Magazine. Dafür bitte hier entlang.

Die Kollektion in bewegten Bildern von der Felix-Show gibt’s hier:

Fotos: Lisa Justine

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Balagans x Wormland


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Balagans kommt in den Handel. Das Denim Couture-Label von HsH-Absolvent Philip Rudzinski wird ab sofort bei Wormland geführt. Der Menswear-Spezialist präsentiert die aktuelle, elfteilige Balagans-Kollektion pünktlich zur Fashion Week und noch vorm Modepreis 2015 in seinen Stores in Hannover und Berlin. Creative Director Philip Rudzinski war so nett und hat uns einige der Skizzen zur Verfügung gestellt. Weiter unten gibt’s noch ein ziemlich cooles Teaser-Video zur Kollektion. 

Balagans_Design Entwürfe

Die Kollektion umfasst Jeans im Anti-Classic-Cut, T-Shirts und Jacken sowie einen Denim-Mantel und Jeans-Capes. Die elf Teile der Kollektion werden bei Wormland in Hannover und Berlin in einer limitierten Auflage von je zehn Stück pro Design erhältlich sein.

Alle Stücke sind mit echtem Indigo gefärbt. Mit individuellen Designs wie Brickstone-Prints, einem Batik-Sakko und dem Hobo-Mantel mit extra großem Kragen konnte das hannoversche Label Wormland ziemlich gut überzeugen. Der Menswear-Experte fördert damit ein weiteres Mal erfolgreich die Modeszene der Stadt.

Die Kooperation mit Wormland ist nun ein weiteres echtes Highlight für das Newcomer-Label. „Es war immer eines unserer Ziele, Balagans auf die Straße zu bringen, da Mode schließlich nur dann funktioniert wenn sie auch getragen wird“, berichtet Label-Gründer Philip Rudzinski gegenüber Hannover Fashion Weeks.

„Wormland nun als Partner an der Seite der Debüt-Kollektion zu haben, ist eine unglaublich große Anerkennung der eigenen Arbeit. Ich bewundere die Wertschätzung und das Vertrauen von Wormland gegenüber unseren sehr experimentellen Werken. Als Retail-Einsteiger war es für uns besonders wichtig, dass wir uns mit Partnern zusammen tun, mit denen wir die selben Werte teilen und uns hundertprozentig identifizieren können – und das tun wir.“