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Couture vor Ort

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William Fan x Danny Reinke:


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William Fan und Danny Reinke waren aus HFW-Perspektive natürlich die unübersehbaren Highlights der Fashion Week Berlin. Wir stellen die Kollektionen für F/S 2018 hier nochmals ausführlich vor. Oder besser: einander gegenüber.

Fan, in Hannover aufgewachsen und zur Schule gegangen, präsentierte im Kronprinzenpalais eine Begeisterungsstürme hervorrufende Ode an die Mode als Reise in sein Kinderzimmer in Garbsen. Noch dazu am Ende mit Heinz Rudolf Kunze, quasi als Soundtrack straight outta Wedemark, unterlegt.

Danny Reinke hingegen interpetierte bei seinem Defilee im Kaufhaus Jahndorf ganz nebenbei den Hosenanzug neu. Ob in Apfelgrün oder Smaragdblau, ob knöchellang oder mit Shorts – auffallend waren bei der Show des Fahmoda-Absolventen, der sich bereits im Januar mit einer Installation seiner Kollektion „Secret Desire“ im me Collectors Room vorgestellt hatte, dazu besonders die überlangen Jacketts. Atmosphärische Abendkleider hat Reinke mit riesigen Tüllschleifen drapiert.

Seine Casual-Couture-Kollektion „A breath of nihilism“ richtet sich an moderne, urbane, junge Frauen des Expeditiven Milieus. Konzeptionell geht es in der Kollektion um die Befreiung des industriellen Perfektionismus und die Rückbesinnung auf das ungezwungene Sein, des Ertrotzen und das Streben nach Freiheit. Im Fokus stehe eine Art romantische Anarchie, erklärt der Designer.

Trachtenelemente werden dafür neu interpretiert. Die Farbpalette der Kollektion zieht sich von Weiß über Creme bis hin zu Nude. Als Key-Color dient ein knalliges Schwefelgrün. Transparente Seidenstoff und Miederkorsagen transportieren einen Kontrast zwischen Leichtigkeit und Traditionen. Perlenstickereien und Stoffmanipulationen in floraler Optik erinnern an blühende Blumenfelder.

William Fan hingegen setzte nach Chinatown und der chinesische Herkunft seiner Familie erneut die eigene Biographie ins Zentrum seiner Inspiration. Sein am Ende euphorisches Publikum nahm er auf der Terrasse und im Garten des Kronprinzenpalais mit nach Garbsen – in sein altes Kinderzimmer. Die Haltestelle der hannoverschen Linie 

Fan ist 30 und war Teenager in den Nuller-Jahren. Die Streetwear aus dieser Zeit zitiert er meisterhaft und transferiert sie in seinen ganz eigenen High-Fashion-Kosmos: Kapuzenpullis und Baggyhosen, Crinkle-Stoffe, Kroko-Prägungen auf Blusen, bunte Techno-Stoffe und glänzende Metallic-Elemente.

Fan konnte mit dieser Kollektion erneut sein enormes Talent und seine herausragende Stellung innerhalb einer neuen deutschen Designergeneration unterstreichen. Sogar der Soundtrack seiner Show – von Beethovens „Für Elise“ bis zu besagtem „Dein ist mein ganzes Herz“ von Wedemark-Barde Heinz Rudolf Kunze – sorgten in Berlin und bei diversen Fashion Bloggern für Gesprächsstoff.

Der große internationale Durchbruch kann nicht mehr weit sein. Dass Fan dabei weiterhin auch seine niedersächsische Herkunft – ob in seinen Entwürfen oder gegenüber Presse und Medien – akzentuiert, ist gerade für hannoverfashionweks.com ein großes Modeglück

Bilder: Christian Pries, Mercedes-Benz Fashion

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Antonia Parrs Abschlusskollektion „Worry-Free-Package“ hat die Fashion Finals 2017 gewonnen und ist inspiriert von den Installationen Pipilotti Rists


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„What about satisfaction?“ – so könnte, frei nach den Rolling Stones, die grundlegende Frage zu Antonia Parrs Abschlusskollektion heißen, mit der die junge Designerin den ersten Preis der Fashion Finals 2017 in der Orangerie Herrenhausen gewonnen hat. „Worry-Free-Package“ hat sie die spannungsreiche Couture-Linie genannt – ein modisches Sorgenfrei-Paket, das die Frage nach Stil, Konvention, Geschlecht und Tragekomfort auf vielseitige Ebenen hebt. Das Lookbook ist in der Cumberlandschen Galerie entstanden. 

Inspiriert u.a. von der Schweizer Multimedia-Künstlerin Pipilotti Rist, wirkt die Kollektion wie ein ästhetisch-sensitives Wechselspiel um die Frage, wann und wie Mode zur Komfortzone wird. Umgesetzt wird dieses komplexe, auf den ersten Blick etwas sperrig wirkende Thema mit ebenso komplexen Materialien und Farben. Organische Formen spielen durch die Inspiration von Pipilotti Rist eine große Rolle. Ein großer Kragen mit Pom Poms von den Formen der Installation „Sleeping Pollen“ inspiriert und finden sich sowohl, an Socken und Schuhe, aber auch in Stickereien wider. Die aufwändigen Couture Stickereien in der Kollektion sind ebenfalls von den Installationsbildern „Du wirst sorglos sein“ inspiriert, im Spätsommer 2015 in der Kestnergesellschaft Hannover zu sehen war. Blütenformen in verschiedensten Haptiken sind dabei mit Seidenband- und Perlenstickereien umgesetzt. Der Unisex-Charakter wird immer wieder durch die Geschlechtergrenzen sprengenden Schnitte betont. Dadurch sind die wenigsten Teile der Kollektion hauteng gearbeitet. „Die trotzdem hauteng gearbeiteten Teile der Kollektion stehen für die Einengung der Persönlichkeit oder der Auslegung des Geschlechts“,  erklärt Antonia Parr gegenüber hannoverfashionweeks.com. So gibt es zum Beispiel corsagenartige Oberteile oder Unterteile aus Folie, die Geschlechtsmerkmale bewusst einengen, aber durch Transparenz trotzdem nicht verbergen können.

Durch Knotungen, einengende Bündchen oder eingesetzte Schluppenkrägen wird das Thema weitergesponnen. Im Gegensatz dazu stehen Klare gerade Schnitte wie Blusen und Hemden, aber auch klassische Manschetten an jeglichen Saumabschlüssen, um bewusst mit männlichen und weiblichen Klischees zu spielen.

Die Farbauswahl beziehe sich laut der Designerin hierbei auf die Farblehre der Kunst, was den Bezug zwischen Kunst und Mode aufgreifen soll. Terrakotta-Töne und Rostrot werden mit starkem Blau sowie dezenten Mint- und Gelbtönen kombiniert.

Das raffinierte Wechselspiel aus Fragen Attraktivität, Wohlfühlfaktor und den entsprechenden Gegensätzen gelingt auch in der Stoff- und Materialwahl hervorragend. Auf Kunststoffe hat Antonia Parr insoweit verzichtet, dass sie nur in den Teilen der Kollektion vorkommen, die bewusst als unangenehm wahrgenommen werden sollen. Für ein Premium-Tragegefühl stehen dafür Pongé-Seiden und Seidenchiffon sowie Wollflanelle. Samt- und Plüschstoffe zielen auf Aspekte von Gemütlichkeit im Interior Design. Bewusster Einsatz von Raffungen und Falten soll das Thema Slut Shaming im Sinne von Wohlbefinden und Unwohlsein verspielt und ironisch darstellen, wenn diese Beispielsweise an Ausschnitten vorkommen. Ein insgesamt komplexes Konzept, dass die Designerin mehr als gekonnt in eine imposante und facettenreiche Kollektion umgesetzt hat.

Fotos: Pia Angela

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Pachamama x Reprona


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Zwei Kollektionen, die schon konzeptionell kaum verschiedener sein könnten: Bei der M3-Werkschau 2017 im Tanzhaus Hannover haben auch Magdalena Bode und Elisa Wilde ihre Abschlusskollektionen vorgestellt. Magdalenas Resort-Kollektion „Pachamama“ zeigte sich dabei als Streetwear für Jungs und Mädels auf Ferien, quasi. In der Kollektion gehe es laut der Designerin um die individuelle Auseinandersetzung mit dem Indigenen und Ursprünglichen in jedem von uns. All die Fragen um ökologische Kreisläufe und Katastrophen sollten dabei thematisch ebenso gestreift werden. Im Zentrum stehen Eco Fabrics aus Leinen, Baumwolle, Hanf und Seide.

Die Looks vereinen sommerliche wie winterliche Stücke. Perfekt zum Verreisen aus dem Kalten ins Warme oder anders herum. Cordhosen mit feinen Oberteilen, lange weite Kleider mit Jacke und Hut dazu, oder zum Beispiel kurze Hosen und dicke Pullover. Ziel der Kollektion sei es, die avantgardistischen Nonkonformisten mittels neu interpretierter Klassiker wie Jeans, Cord und beispielsweise Poloshirts, auf die indigenen Völker aufmerksam zu machen und damit ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Individualität und den Ursprung des Lebens, des großen Ganzen, alles Existierenden wach zu kitzeln, erklärt Magadela gegenüber hannoverfashionweeks.com.

„Pachamama“ gegenüber stellen wir hier Elisa Wildes „reprona“ gegenüber: Können wir die Leistung unseres Gehirns bald mit Hilfe von Implantaten künstlich optimieren? Oder werden wir unsere DNA wie ein Bausteinsystem zusammen setzten können? Wie lange wird es dauern bis die Grenze zwischen Mensch und Maschine vollends verwischt ist? Diese Fragen will die Designerin mit ihrem vom Sechseck geprägten, saisonunabhängigen DOB-Kollektion anreißen.

Das detailorientierte Design und die aufwendige Oberfächengestaltung seien von dem Gedanken inspiriert, das durch den Fortschritt in der Gen- und Neuroprothesenforschung so wie dem Drucken von Organen, der Mensch immer weiter künstlich optimiert werden kann, bis er am Ende mehr Mensch als Maschine ist, erklärt Elisa gegenüber hannoverfashionweeks.com

Das zentrale Merkmal der Kollektion ist das Sechseck, u.a. als Strickmuster. Unterteilt in sechs gleichschenklige Dreiecke dient das Sechseck als Vorlage für die Absteppungen auf Hosen, Rock und den Ärmeln eines Oberteils. Bei den Säumen und Ausschnitten wird es zum markanten Detail.

Der Dreiecksstoff mit seiner 3D-Haptik auf Rock und Oberteil wurde laut der M3-Absolventin in kleinteiliger Handarbeit aus 10.650 einzeln zugeschnittenen Dreiecken gefertigt. LED-Kabel und PVC-Folie bieten in Optik und Haptik den künstlichen Kontrast zu den übrigen Materialien. Das klinische, kalte Weiß der Forschung und Wissenschaft und das Nude, das den Menschen repräsentiert, sollen im Kontrast zum dunklen Blau stehen, das die utopischen Ideen charakterisiert, deren Verwirklichung noch in der Zukunft liege. Die figurbetonte Silhouette der Schnitte ermögliche die Bewegung der Oberflächen und lasse zu, dass der Dreiecksstoff am Körper ein Eigenleben entwickelt.

Fotos: Alex Linke, Sebastian Gerhard

 

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Danny Reinke verwandelt den me Collectors Room mit „Secret Desire“ in einen Garten Eden der Mode


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Mode ist Verführung. Danny Reinke hat aus diesem banal klingenden Satz ein tragfähiges Konzept gemacht – für seine erste Show im Rahmen der MBFWB. Der Absolvent der Fahmoda Hannover, der bei den vergangenen Fashion Finals im Sprengel Museum noch in der Jury saß, zeigte seine Casual-Couture-Kollektion „Secret Desire“ im me Collectors Room Berlin in Form einer paradiesisch anmutenden Installation. Wir konnten Danny nach der Show zum Interview treffen und durften auch vorher backstage bei den intensiven Vorbereitungen dabei sein.

Als Erkundungstour innerer Gelüste, von Träumen und Wünschen hat Danny im me Collectors Room seine ganz eigene Interpretation des Garten Eden offenbart. Im Zentrum der Installation stand ein Apfelbaum, eingerahmt von vereinzelten Rosenbüschen und Buchsbäumen. Seine Modelle verschmolzen geradezu mit der Szenerie.

Die Herbst/Winter-Kollektion umfasst zehn Looks, die sich in der Installation zu einem großen finalen Bild aus sportlichen und couturigen Elementen zusammensetzen. Highlight war neben viel rotem Samt ein bodenlanges Tüllkleid – beides zentrale Materialien, wie Danny hinterher gegenüber hannoverfashionweeks.com erklärte.

Die Grenzen zwischen Mann und Frau vermischen sich in seiner Kollektion für Herbst/Winter 2017 durch kantig geschnittene Anzüge und bewusst überzogene Schleifen. Perlenstickereien in Tierform erinnern an Paradiesvögel. Sie symbolisieren laut des 24-Jährigen den Drang nach dem Ort der unendlichen Seligkeit.

Besonders eindrucksvolle ist das Changieren mit Rottönen, das Danny im HFW-Interview als zentrales Element von „Secret Desire“ erläutert. „Rot ist die Farbe der Lust und gleichzeitig optisch besonders reizvoll. So ist man mit der Farbe auch schnell beim Konzept der Kollektion“.

Erste Ideen für kommende Arbeiten seien schon da, ergänzt der Fahmoda-Absolvent am Ende noch. So dürfen wir mit Blick auf das Label Danny Reinke noch einiges erwarten.

Fotos: Danny Reinke/PR

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Vanitas-Couture: In Clara Siegenthalers Kollektion „Memento mori“ trifft Mode auf Vergänglichkeit und die Biographie der Designerin


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Der Gedanke der Vergänglichkeit gehört schon immer zur DNA der Mode. Bei Clara Siegenthaler entsteht daraus jedoch etwas Neues und Faszinierendes. Ihre Kollektion „Memento mori“ für Herbst/Winter 2016/17 ist eine sehr persönliche und gerade deshalb so berührende Arbeit, weil sie in enger Verbindung mit dem frühen Tod ihres eigenen Vaters steht. Durch die außerdem perfekt verarbeiteten Geweihe aus der Jägers-Sammlung ihres Großvaters, kann man ihre außergewöhnliche Vanitas-Couture auch als intensive Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie betrachten. Alles andere also als ein trivialer Fingerzeig auf den saisonalen Schnelltod von Trends und Stilen in der Modebranche.  

Ästhetisch liegt der Fokus auf dem Kontrast zwischen organischen Mustern und linearen Faltenstrukturen. Die Vergänglichkeit des Lebens wird durch Geweihe und verwelkte Rosen versinnbildlicht. Lineare Falten symbolisieren Stabilität und Ordnung und werden organisch wirkenden Elementen entgegengesetzt. Auch ein Hochzeitskleid beinhaltet die Kollektion, mit der Clara ihren Abschluss an der Fahmoda bestreitet. Ein Brautkleid, das gerade deshalb so beeindruckt, weil es in seiner zurückgenommenen Silhouette leise bleibt und den Moment der Vergänglichkeit vor jeden üppigen Kitsch in Tüll setzt.

„Insgesamt steht meine Arbeit für Originalität und Extravaganz. Die Kollektion zeichnet sich durch einen avantgardistischen Look für trendbewusste Frauen aus, die sich für nachhaltige Mode interessieren“, erklärt Clara gegenüber hannoverfashionweeks.com.

Das Spektrum reicht von tragbaren Tailoring-Anzügen über extravagante Abendroben bis hin zu avantgardistischen Statement-Outfits aus Pflanzen-gegerbtem Rindsleder und Schafsfellen sowie  Röcken, Hosen und Blazern aus Baby-Alpaka. Cocktail- und Abendkleider verleihen der Kollektionen eine royale Note, kombiniert mit einem Hauch Gothic-Glamour. Kundinnen von Alexander McQueen bis Valentino dürften begeistert sein.

Ein typisches Vanitas-Symbol ist der Schädel. „Er inspirierte mich dazu, einige Geweihe aus dem Besitz meines verstorbenen Großvaters, der Jäger war, in die Kollektion zu integrieren“, erklärt Clara der HFW-Redaktion. Die Geweihe dienten als Grundlage zur Gestaltung neuer Formen. Zugleich symbolisieren sie ebenfalls Vergänglichkeit. Die jeweiligen Schädel der Geweihe wurden von den Gehörnen getrennt und als jeweils separate Designelemente an Cocktailkleidern, Röcken oder als Kopfschmuck integriert. Auch die Gehörne wurden als zusammenhängende Elemente in Cocktailkleidern oder Schuhen befestigt oder auch als Schmuck verarbeitet.

Ein weiteres Designelement, das für Verfall steht, ist die Rose. Sie findet sich in Form verschiedener Details wieder  – wie beispielsweise als Kopfschmuck oder an den Schuhen. Dabei wird von Outfit zu Outfit ein Verlauf dargestellt, der das Verblühen der Blume zeigt: von der Blüte bis zum Verwelken.

Einige gefriergetrocknete Rosen werden erst kurz vor der Show aufgenäht. So seien einige Teile der Kollektion ebenfalls vergänglich, betont die Designerin. Das Prinzip des Lebens symbolisieren dazu Materialien mit organischen Mustern: rotes 3-D-Leder mit organischen Blumenmustern und Farbschattierungen, Viskosefutterstoffe in Jacquard-Webart mit Paisley-Mustern.

Pailletten-Chiffon und Cut-Out-Spitze sollen als Zeichen vom Auflösen der Materie die Morbidität des Lebens widerspiegeln. Konträr zu den organischen Mustern hat die Fahmoda-Absolventin lineare Faltenstrukturen eingesetzt, die Stabilität und Ordnung symbolisieren sollen. Diese lassen sich sowohl in den Tailoring-Anzügen als auch in den Cocktailkleidern finden und sind teilweise mehrschichtig übereinander gearbeitet oder werden skulptural in großen Formen drapiert.

Schwarz steht für den Tod. Trauer und Schmerz werden mit einem dramatischen Tiefrot symbolisiert. Ein satter Creme-Ton bildet ein weiteres Grundelement und versinnbildlicht die Hoffnung. Gold wird partiell eingesetzt und steht für das Erhabene und für eine Haltung dem Tode mit Würde entgegenzutreten. Alles in allem eine konzeptionelle wie handwerklich hochgradig beeindruckende Arbeit.

Wir dürfen hier wenige Tage vor den Fashion Finals schon mal das „Memento mori“-Lookbook zeigen, das unser Freund Pierre „HairRock“ Heinemann mit Model Luise Bussert für Clara Siegenthaler geschossen hat. Die Designerin will nach den Fashion Finals ein Praktikum bei Rich&Royal in Stuttgart antreten und die Gründung ihres eigenen Labels vorantreiben. 

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Fotografie: Pierre Heinemann
Make up: Kristin Fischer/HautsacheKosmetik
Haare: Pierre Heinemann
Model: Luise Bussert

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M3 Postview: Juliana Martejevs Kollektion How Far³ ist von Nerd-Looks inspiriert


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Wie lässt sich Intelligenz in Mode verwandeln? Diese Frage wirft Juliana Martejev mit How Far³ auf. Die DOB-Kollektion für Herbst/Winter 2016/17, die wir vor der M3-Werkschau eigentlich noch als Preview zeigen wollten, spielt ganz bewusst mit experimentellen Einflüssen und setzt sich thematisch mit dem weltweit kontinuierlichen Anstieg des IQ auseinander. Die Designerin stieß im Vorfeld der Kollektionsentwicklung darauf, dass ein weltweit immer höher werdender IQ auch Nachteile wie Desorganisation und Isolation mit sich bringen kann, wie man es etwa bei Hochbegabten mit Savant-Syndrom, den so genannten Nerds, beobachten kann.

Nerds sind denn auch die Inspirationsquelle der Kollektion. Klischeehafte Details aus der typischen Nerd-Bekleidung wie Cord- und Flanellstoffe sowie Karomuster werden mit modernen Oversized-Silhouetten kombiniert. Die Farben bewegen sich von Weiß, das für die Reinheit und Unbeholfenheit steht, über Nude und Grau zu einem Dunkelrot. Zitronengelb soll die Genialität der Savants verdeutlichen. Auf dem Laufsteg sah das dann auch sehr gut aus, weshalb wir hier am Ende auch nochmal ein kleines How Far³-Video aus der Galerie Herrenhausen eingebettet haben.

 

Fotografie/Video: Lisa Justine, J.M.art
Haare/Make-up: Jennifer Lübke
Models: Michelle Kaatz, Alarah Huppertz

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M3 Previews: Miriam Piechowiaks Post-Grunge-Kollektion „Darling, I don’t care“


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Karierte Flanellhemden, zerrissene Boot-Cut-Jeans, legere Schnitte, gestreifte Oversized-Pullis und jede Menge Strick aus dem Seconhand-Laden. Das war Grunge – auch wenn Marc Jacobs schon „1991 – The Year Punk Broke“ längst Kim Gordon mit Kleidern ausgestattet hat. Kurt Cobain nahm sich das Leben und das rebellische Gefühl musste ja irgendwann irgendwie erwachsen werden. Was geblieben ist, damit beschäftigt sich Miriam Piechowiak in ihrer DOB-Kollektion „Darling, I don’t care“ für Herbst/Winter 2016/17.

Die Kollektion basiere laut der Designerin auf der kritischen Beleuchtung gesellschaftlicher Normen und Regeln der Kleiderordnung und eben einer Auseinandersetzung mit der Grunge-Strömung der 90er.

Gerade das Thema Unterwäsche zwinge die Frauen sich Trends und Erwartungen zu unterwerfen, meint Miriam Piechowiak, obwohl die Gesellschaft so liberal tue. Wieso darf man die BH-Träger bei einem Tubetop nicht zeigen, oder wieso sollte man immer einen String zu einem Pencilskirt tragen, fragt die Designerin. Ihre Post-Grunge-Kollektion „Darling, I dont‘ care“ beschäftigt sich in kleinen Details genau damit, diese Fragen nach außen zu kehren und Aspekte der Privatheit aufzudecken. Einzelne Teile sind aus Nylonstrümpfen und alten BHs gefertigt, Muster eines Halstuchs zeigen Formen eines Slips.

Fotografie: Lisa Justine
Haare und Make-up: Jennifer Lübke
Models: Alysha & Kai
Location: Studio Okerwerk

 

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M3 Previews: Carolin Thomaneks „Metanoia“ ist von der Katastrophe der Gletscherschmelze inspiriert


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Natur und Klimawandel sind immer wieder Inspirationsflächen für Abschlusskollektionen von Absolventen der hiesigen Modeschulen. Carolin Thomanek hat ganz gezielt die Gletscherschmelze als Folie für ihre Linie „Metanoia“ gewählt. Die avantgardistische DOB-Kollektion für Herbst/Winter 2016/17 soll auf die globale Erwärmung aufmerksam machen. Der futuristische Charakter wird durch organische Formen und innovative Materialien erzeugt, darunter 3D-Druck und Acrylglas. Neue Oberflächenstrukturen werden teils durch Erhitzen der Textilien erreicht. Man darf in jedem Fall gespannt sein, wie die Kollektion in Bewegung auf dem Laufsteg der Galerie Herrenhausen aussehen wird.  

Fotografie: Lisa Justine
Haare/Make-up: Jennifer Lübke
Model: Anna G.
Location: Studio Okerwerk

 

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M3 Previews: Victoria von Hundts ozeanische Streetwear-Kollektion „Submerged“


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Wir zeigen eine Woche vor der M3 Werkschau in der Galerie Herrenhausen eine weitere Preview: Victoria von Hundts Abschlusskollektion „Submerged“ (engl.: versunken/unter Wasser) ist inspiriert von der Dynamik des Meeres und der Farbvielfalt der Unterwasserwelt. Die sportiv-feminine Streetwear-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2017 besticht durch eine dynamische Linienführung, die die Verbindung zwischen Meer und Sport akzentuieren soll. 

Die Farbpalette umfasst somit sowohl Blau- und Grüntöne, als auch Akzentfarben wie Orange, Gelb und Korall. Transparente Regenjacken und Mäntel sind Hauptbestandteil der Kollektion, die durch eingearbeitetes Wasser die Dynamik und den Einfluss des Meeres ebenfalls veranschaulichen soll.

Fotos: Lisa Justine Photography
Model: Roxani Heltriegel/M4 Models
Haare und Make-up: Jennifer Lübke
Location: Studio Okerwerk

 

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Zwischen Kung Fu und dem goldenen Glanz der Samstagnacht: William Fan zeigt beim Berliner Salon im Kronprinzenpalais


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Bereits zum dritten Mal hat William Fan in der vergangenen Woche auf der Fashion Week in Berlin gezeigt. Diesmal begeisterte der gebürtige Hannoveraner mit einer Kollektion, die es versteht Purismus und Opulenz zu verbinden. Und die den Grundstein für eine Tagesrobe legt, an der noch eine glamouröse Nacht hängt. „Kennst du noch die Euphorie bevor man ausgeht? Wenn man sich vorstellt, es ist Samstagabend und man macht sich fertig? Welche Dinge braucht man, um sich aufzuhübschen um selbstbewusst in die Nacht gehen zu können?“ William Fan hatte Sehnsucht nach diesem Gefühl. Nach dem Reiz der Adoleszenz, die er ins Erwachsenendasein übertragen wollte. Und so widmete er diesem Gefühl eine ganze Kollektion.

Tassels schwingen an der Frontrow vorbei, in gelb, an dem Saum eines frei schwingenden Kleides,  unter dem Schösschen eines Trenchcoats, durch die hindurch man einen einen Po Ansatz zu sehen glaubt, an dem Rücken einer Kurz-Jacke, in die man reingreifen möchte. Tassels, das sind die Fransenknäufe, die Nicht-Modeleute von Gardinen kennen, die an Tauen von Vorhängen befestigt sind, damit sie eben die nicht aufschwingen lassen und das, was man Aussicht oder Bühne nennt, freigeben. William Fan freut sich darauf gerade diese Tassels in seiner Show schwingen und sich bewegen zu sehen, weil seine Lieblingsteile auf der Stange nicht funktionieren. „Sie brauchen Bewegung“. 

Das Licht der nacht in schwarzen Pailletten 

Williams Kollektion für Herbst/Winter 2016/17  ist eine Verneigung an das Ausgehen geworden, eine Annäherung an die Möglichkeiten, wenn man im Club auf die Tanzfläche geht und zeigt, wie schön das ist, wenn sich etwas bewegt, wenn sich Stoffe bewegen, wenn das Licht der Nacht sich in schwarzen Pailletten spiegelt, wenn der Schlag einer Hose um das Bein kreist, wenn durchscheinende Haut an Ärmeln lockt, wenn goldene Latex-Röhren aussehen, als hätte man sich Schmuck in Laisser-faire- Attitüde um die Beine gegossen.

William nennt es eine Kampfansage. Soundtrack- Ausschnitte von Bruce Lee-Filmen eröffnen den Club in den William einlädt, an einem Donnerstag Abend in Berlin. Unweit Unter den Linden – ins  Kronprinzenpalais. Natürlich kein Club. Höchstens der, der elitären Designer. Eine besondere Ehre für den 28-jährigen Designer mit Wurzeln in Hannover und Hong Kong, der die zwei Saisons vorher noch im Fashion Week Zelt am Brandenburger Tor seine Kollektionen Jade Garten und Welcome home vorgestellt hat.

„Im Kronprinzenpalais zu zeigen ist eine ganz besondere Ehre für mich. Die Räumlichkeiten entsprechen wirklich sehr meinem persönlichen Geschmack und es ist wunderbar, dass der Berliner Mode Salon auf mich aufmerksam wurde“, erklärt William gegenüber hannoverfashionweeks.com 

William Fan Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2016 Der Berliner Mode Salon ist eine Institution, die sich unter der Leitung von Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, es zur Aufgabe gemacht hat die besten Designer Deutschlands in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren und zu vernetzen und so fand man William Fan in der Januarausgabe der deutschen Vogue auch unter den „drei aufstrebensten Talenten der deutschen Modeszene“ wieder. Neben Nobi Talai und Louise Friedlaender. 

Dass William Perfektionist ist, verlangt keine hellseherischen Fähigkeiten. Trotzdem eineinhalb Stunden vor der Show ist  der Designer komplett relaxt. Es wird noch goldene Folie an einer Foto-Wand für die Fotografen arrangiert und jemand bedampft schnell noch Einzelteile, das übliche Prozedere. Umso mehr Zeit bleibt über den Schmuck zu sprechen, der gleich einen besonderen Platz in der Show bekommen wird.

Mit Gold gegen Grau

„Ich mochte schon immer gerne Gold und wollte einen organischen Schmuck entwickeln, der nicht zu grafisch ist. Der Schmuck wurde in Marrakesch hergestellt, handgemachter Messingschmuck. Ich habe Knetformen dort hingeschickt und dann wurde er gemustert. Er ist wunderschön geworden und pimpt jeden Look auf.“

Dieses Aufpimpen fehlt dem jungen Mann, der sich gerne aufhübscht zum Weggehen schon ein wenig im Gros der Gesellschaft. „Das Leben ist einfach zu kurz um grau zu sein“, so Fan. Zwei Stunden später weiß man, was er meint. Goldene, sichelförmige Colliers ranken sich auf links gedreht um den Hals wie Krägen, Armbänder schlängeln sich wie lang gezogenes, in einen Strudel gesogenes Kaugummi um die samtenen Ärmel der chinesischen Jackets und Morgenmäntel der Herren und der überlangen goldenen und schwarz samtenen Ärmel der Damen. Besonders elektrisierend wirken die wie Stimmgabeln nur über die Ohren gehängten Ohrringe bei den Damen. 

Der Schmuck des Rhythmus

Es mutet konfus nach Konfuzius an und fließt doch alles im Fluss der chinesischen Attitüde und Selbstkontrolle die bei William stets spürbar ist. Und so beschreibt er seinen Takt eines perfekten Abends und den Soundtracks für die Show sehr geradlinig und vorhersehbar. „Eigentlich ist es eine kleine Geschichte, eine Story die mit der Musik erzählt wird. Es fängt alles mit dem Soundtrack aus Bruce Lee-Filmen an, das spiegelt sich auch in der Kollektion wieder, in den Schnitten, in der Attitüde wie man sich durch den Tag bewegt – eine Kampfansage. Eigentlich wie der Verlauf eines Abends. Es beginnt alles sehr mystisch, dann geht der Bass los, es sind aber auch verschiedene Genre drin: Hip Hop, House und Indie . Das sind aber auch alles Dinge, die ich selber gern zum Ausgehen höre.“

Zu „If I rule the world“ von Nas endet die Show, nach der man ohne Wenn und Aber modisch  intravenös stimuliert weggehen möchte. Weggehen will mit William, zurück nach Linden auf die Limmer Straße, auf der er früher oft unterwegs war, dem früher und seinem Zuhause , deren Erinnerung er heute seine wunderbare Kollektion gewidmet hat und in deren goldener Hose jeder Move zur Stethoskopreflexion wird. Lasst uns mehr tanzen. Der Rhythmus hat neuen Schmuck bekommen. Einen neuen Fan. 

Fotos:  Luisa Verfürth, Andreas Rentz/Getty Images for Der Berliner Mode Salon