Autor: Verena Staiger

Scene

STOFFSAMMLUNG II/16 – Vom Freaky Fashion Festival bis zum Bloggermarkt feat. Aesop x PB 0110, Harald Glööckler x Channel21, Smukkett und Anna Bornhold beim Euro Fashion Award


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Während der Sommer an der Leine lange auf sich warten ließ, ist modetechnisch in den letzten Monaten wieder einiges passiert. Wir durften bei der Eröffnung des ersten Aesop Signature Stores in Hannover dabei sein und staunten über Harald Glööckler’s Comeback ins Teleshopping bei Channel21. Der Euro Fashion Award war aus hannoverscher Sicht ein voller Erfolg mit gleich zwei Auszeichnung für Absolventinnen der HsH und im Mai ging dann auch endlich die Premiere des ersten Freaky Fashion Festivals über die Bühne. Erstmalig fand im Roof Garden außerdem ein Bloggermarkt statt, wo unter anderem die Jungs von Smukkett ihre zweite Uhren-Kollektion präsentierten, die nur wenige Tage vorher im Pop-up Hafven-Café released worden war.

Anfang April feierte Star-Designer Harald Glööckler sein Teleshopping-Comeback und ging bei Channel 21 auf Sendung. Von 2004 an verkaufte Glööckler seine Kreationen bei HSE24 und wechselte 2011 zu QVC. Im Dezember 2015 dann gab er seinen Rücktritt vom Teleshopping bekannt. Um so überraschender war seine Rückkehr in Zusammenarbeit mit Deutschlands drittgrößtem Homeshopping-Kanal Channel 21 bei uns in der Stadt.

Nur wenige Tage später eröffnete die griechisch-australische Naturkosmetikmarke Aesop auf der Luisenstraße. Zum Start an der Leine hatte PB 0110 exklusive Sachées entworfen, die während der offiziellen Opening-Zeremonie präsentiert wurden. Wir waren mit Glasschuh, Shades of Ivory, Majoli, Holger von Related und natürlich PB 0110, die wunderbare Sachées für kleine Aesop-Proben exklusiv für das Opening kreiert hatten, mit dabei. Der deutschlandweit achte Aesop-Store ist in Zusammenarbeit mit den Münchner Architekten Einszu33 entstanden. Der Ladenbau ist von der Frankfurter Küche, einem Meilenstein deutscher Designgeschichte der 1920er Jahre, sowie von der vor Ort gegebenen Substanz inspiriert. Der Laden schließt baulich noch an das benachbarte Hotel Luisenhof an. Die Regale für die Aesop-Produkte erinnern in vielen Details an die Küchen des frühen 19. Jahrhunderts, während die große originale Holzfassade viel natürliches Licht hineinlässt, ergänzt durch einen Kronleuchter von Carlo Scarpa.

Mit BOOM Studio, Anna Bornhold und Katharina Buczek waren kurz darauf gleich drei urspüngliche Designer aus dem Umfeld der Hochschule Hannover für den ersten Euro Fashion Award nominiert. Im Jugendstil-Ambiente des Kaufhaus Görlitz präsentierten elf ausgewählte Nominées ihre Kollektionen. Überschattet wurde der EFA vom plötzlichen Tod des Creative Directors und Initiators Andrej Subarew – einem großen Unterstützer junger Modedesigner und ehemaligen Jurymitglied des Modepreises Hannover.

Während Katharina Buczek in Görlitz für ihre Kollektion „Bad News“ mit dem Blogger-Preis ausgezeichnet wurde, erhielt Anna Bornholds Kollektion „Kiss a frog, but only with brushed teeth“ den mit 20.000 Euro dotierten zweiten Preis. Bereits 2009 hatte die 33-jährige den ersten Modepreis Hannover gewonnen, bei dem sie in diesem Jahr mit in der Jury saß. 2015 schon gewann Bornhold außerdem den mit 15.000 Euro dotierte Chloé-Award in Hyères. Die aktuelle Kollektion der Designerin ist plakativ und dennoch tragbar. Von Rückbesinnung, Reflexion und Träumen geprägt, entstand eine positive Kollektion voller Freiraum – frei nach Anna Bornholds Lieblingsmotto von Heinz Erhard: „Auch mal zwei Schritte voraus und einen wieder zurück gehen.“

Auf Initiative des KreHtiv-Netzwerkes und organisiert von diversen Protagonisten der hiesigen Modeszene sowie mit Unterstützung der Modeschulen fand am 21. Mai erstmals das Freaky Fashion Festival statt. Im Musikzentrum präsentierten 32 Designer ihre Kreationen, darunter u.a. ACBY, Super Fashion Rainbow Camp, KINA*, die wunderbare Aleks Kurkowski, BALAGANS, Clara Siegnthlaer, Trailer Trash, Oxymoron, Hood Bags mit unserer Gothic Diamond, Der andere Junge und viele mehr. Flankiert wurde das legere Messeformat von Defilees mit Models, die ihr verwischtes Makeup noch lange nicht zu Freaks machte.

Die Crew von Trailer Trash TV hat vom gesamten freaky Festivaltag mal einige Eindrücke in bewegten Bildern festgehalten. Watch out!

Um ihre brandneue, zweite Uhrenkollektion zu feiern, luden die Jungs von Smukkett am 4. August ins Hafven Pop-Up Café am Schwarzen Bären. Neben guter Musik und kühlen Drinks gab es auch ein Gewinnspiel, bei dem zwei Uhren aus der neuen Linie verlost wurden. Die Zeitmesser des Uhrenlabels sind schlicht, elegant und bestehen gegen saisonale Trends. Zeitlose Designs in Kombination mit qualitativen Schweizer Präzisionsuhrwerken vereinen das Einfache mit dem Hochwertigen. Frei nach dem Motto „Schwarz ist das neue Schwarz“ entstand mit Smukkett ein Label, das mit zeitloser Eleganz besticht.

Bei strahlendem Sonnenschein fand am 7. August erstmalig der Bloggermarkt in Hannover in Kooperation mit „Scene Events“ statt. Im Groove Garden am Maschsee ergab sich die Möglichkeit, Modeschätze von Bloggern wie Miriam von GoldenCherry, Louisa Mazzurana, ByEvelina oder LillyCalling zu ergattern. Exklusive Womenswear aus feinster Seite kam von Kokkon, während man bei den Ladies von ZIMMERZEUG alles finden konnte, was das Interior-Herz begehrt. Auch Julia von Kleidsam hatte ihren Kleiderschrank ordentlich aussortiert und einige Schmuckstücke zum Verkauf bereit gestellt. Ebenfalls vertreten waren Modejournalistin und Stylistin Luisa Verfürth sowie Lea Christin von Glasschuh zusammen mit Juliane von Shades of Ivory. Und natürlich dokumentierten unsere Freundinnen von GGSisters das Ganze wieder gekonnt aus Streetstyle-Perspektive.

 

Fotos: Florian Müller, Peter Kirchhoff, Lukas von Loeper, Verena Staiger, SMUKKETT

Shows

KINA* und Aleks Kurkowski haben die Düsseldorfer Platform Fashion für Frühjahr/Sommer 2017 gerockt


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Bereits zum sechsten Mal fand in diesem Sommer das Düsseldorfer Runway-Format Platform Fashion anlässlich der Collection Première Düsseldorf statt. Vom 22. bis 24. Juli präsentierten 35 Designer und Labels ihre Kreationen für Frühjahr/Sommer 2017 – darunter auch KINA* und Aleks Kurkowski, mit der wir 2015 bereits unsere erste Fashion Night im Related Store feiern durften.   

Aleks war mit ihrem gleichnamigen Label, das die HsH-Absolventin samt Atelier erst zum Jahreswechsel von der Spree an den Rhein verlegt hat, zum ersten Mal in Düsseldorf dabei. Sie kombiniert Minimalismus mit Nachhaltigkeit, den man dann auch schon mal in Pop-Up Stores in Berlin und Hamburg finden konnte. Ihre Avantgarde-Mode ist inspiriert von simpler Geometrie und der Leidenschaft für Schwarz, das auch ihre Frühjahr/Sommer-Kollektion 2017 dominiert.

In ihrem ersten Düsseldorfer Defilee aus Mens- und Womenswear bildeten dunkle, tiefrote Lippen sowie ein einziges weißes Hemd den Farbkontrast zu der dominierenden Farbe der Kollektion: Schwarz. Dazu kommt ein Mix aus verschiedenen Materialien, geometrischen Formen und gekonnter Schnittführung – geradlinig, hochwertig und zeitlos. Die Hüte kamen von Laurence Leleux Hats, die Schuhe von Trippen.

Bereits zum zweiten Mal war Julia Penkina mit ihrem Label KINA* auf der Platform Fashion dabei. Seit der Labelgründung 2005 designed Julia zeitlose Damenmode sowie Accesoires und Schals, die wiederum diverse Impulse für ihre Womenswear-Linie liefern.

Das bewies das Düsseldorfer Defilee ihrer Feinstrick-Kollektion auf der Fashion Yard meets Platform Fashion. Zu sehen war eine elegante und zugleich komfortbetonte Mischung aus zehn Einzelstücken. Drei Kleider, ein Mini- und ein Maxirock, Tops, Jacken, Gürtel und Ärmelschals. Die Farbpalette reichte von Schwarz über Silbergrau bis hin zu Aqua. Bei der Schnittkonstruktion hat Julia Penkina größtenteils mit Rechtecken gearbeitet, die die Flexibilität der Teile unterstreichen soll.

Fotos: Sebastian Reuter/Getty Images for Platform Fashion, Andreas Rentz/Getty Images for Platform Fashion

Shows

Von Capoeira bis Lakritz Couture: Rückblicke auf die Premiere des Fashion & Dance-Festivals 2016 in der Galerie Herrenhausen


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Beim ersten Fashion & Dance-Festival am 25. Juni kam Hannovers Tanz- und Modeszene unter dem Motto Liebe erstmalig gemeinsam zu einem Catwalk-Projekt zusammen. In zwei Shows zeigten etablierte Designer, Absolventen sowie Studierende der hiesigen Modeschulen ihre Kollektionen. Tänzer und Models sorgten für einzigartige Fashion-Inszenierungen vor der sagenhaften Kulisse der Galerie Herrenhausen. Wir blicken nochmal auf die facettenreichen Defilees mit exklusiven Einzelstücken über Capsules bis zu kompletten Kollektionen – präsentiert in außergewöhnlichen Choreographien.

Auf dem 50 Meter langen Laufsteg zeigten u.a. Anette Spitzl, Maria Voronova/lillestoff, Vivien Schlüter, das Label MÄLA und Arame Kordian. Auch  Julia Walker, Natalja Latyk, Katharina Kubiak, Melitta Dill sowie Suse Schneeweiss Design und Pirate Business Wear waren mit eigenen Defilees und Choreographien vertreten.

Luisa Verfürth zeigte erneut ihre Couture-Kollektion aus Lakritz, die die Modejournalistin und Stylistin für das Festival komplett neu angefertigt hatte. Denn ganz so lecker war ihre Kollektion aus Konfekt dann doch nicht mehr. Den Abend versüßt haben ihre Kreationen aus Lakritz jedoch genauso wie schon im Herbst/Winter 14/15. Begleitet wurde das Defilee von Bariton Harald Hieronymus Hein, der zum Auftritt der Models Teile aus Robert Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“ sang – live am Laufsteg  zur Begleitung von Julia Butte-Wendt am Flügel.

Mit zeitloser Damenmode in funktionalen Designs war auch das Label KINA* mit am Start. Seit der Labelgründung 2005 legt Designerin Julia Penkina großen Wert auf eine Kombination aus Qualität und erschwinglichen Preisen. Inszeniert wurde ihr Defilee durch Tänzer der LINK2dance-Company.

Ein weiterer Höhepunkt der Show kam mit der ersten Kollektion des frisch gegründeten Berliner Labels AC BY auf den Laufsteg. Ballerinen der Tanzschule Bothe und der Norddeutschen Tanzwerkstatt Upstairs setzten die Pastell-Kreationen von Fahmoda-Absolvent Samuel Acebey auf der Spitze tanzend in Szene.  Von Historik, verschiedenen Kulturen und Kunsteinflüssen beeinflusst, hatte Acebey Sportlichkei in Verbindung mit Tüll und floralen Details in den Fokus der ersten Kollektion seines eigenen Labels gestellt.

Geballte Energie aus Kampf, Tanz und Denim Couture kam schließlich mit Balagans auf den imposanten Catwalk der Galerie Herrenhausen. Label- und Atelier-Gründer Philip Rudzinski zeigte seine neuesten Entwürfe in einer fast archaisch anmutenden Choereographie voller Maskenspiel mit Capoeira-Tänzern aus der Stadt.

#WALKFORSVEA&LAURA&DENNIS – unter diesem Hashtag hatten sich Svea Behrens, Laura Maria Grillo und Dennis Sanders für das Projekt Fashion&Dance zusammengetan. Svea und Dennis studieren Modedesign an der HsH, Laura hat die Accademia di Costume e Moda in Rom 2010 absolviert. Das Trio hat zum Festival-Thema eine seidige, romantisch-moderne Kollektion entworfen. Während Svea und Dennis für den Design-Part zuständig waren, übernahm Laura das Design der extravaganten Schmuckstücke. Tänzerinnen und Tänzer der Tanzschule Body Talk präsentierten schließlich die Kollektion.

Die mehr als gelungene, eindrucksvolle Premiere des Festivals  stand unter der Schirmherrschaft von Doris Schröder-Köpf (MdL). Eine Auswahl der präsentierten Defileess und Choregraphien wären für eine Präsentation im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Berlin sicher mehr als prädestiniert. Ähnlich vielleicht, wie bereits das Trachten-Projekt der HsH in der Niedersächsischen Landesvertretung. Zukunftsmusik? Ob es in Hannover ein Fashion&Dance-Festival 2017 geben wird, steht derweil allerdings auch noch nicht fest.

Fotos: Arne Gutknecht