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Antonia Parrs Abschlusskollektion „Worry-Free-Package“ hat die Fashion Finals 2017 gewonnen und ist inspiriert von den Installationen Pipilotti Rists


„What about satisfaction?“ – so könnte, frei nach den Rolling Stones, die grundlegende Frage zu Antonia Parrs Abschlusskollektion heißen, mit der die junge Designerin den ersten Preis der Fashion Finals 2017 in der Orangerie Herrenhausen gewonnen hat. „Worry-Free-Package“ hat sie die spannungsreiche Couture-Linie genannt – ein modisches Sorgenfrei-Paket, das die Frage nach Stil, Konvention, Geschlecht und Tragekomfort auf vielseitige Ebenen hebt. Das Lookbook ist in der Cumberlandschen Galerie entstanden. 

Inspiriert u.a. von der Schweizer Multimedia-Künstlerin Pipilotti Rist, wirkt die Kollektion wie ein ästhetisch-sensitives Wechselspiel um die Frage, wann und wie Mode zur Komfortzone wird. Umgesetzt wird dieses komplexe, auf den ersten Blick etwas sperrig wirkende Thema mit ebenso komplexen Materialien und Farben. Organische Formen spielen durch die Inspiration von Pipilotti Rist eine große Rolle. Ein großer Kragen mit Pom Poms von den Formen der Installation „Sleeping Pollen“ inspiriert und finden sich sowohl, an Socken und Schuhe, aber auch in Stickereien wider. Die aufwändigen Couture Stickereien in der Kollektion sind ebenfalls von den Installationsbildern „Du wirst sorglos sein“ inspiriert, im Spätsommer 2015 in der Kestnergesellschaft Hannover zu sehen war. Blütenformen in verschiedensten Haptiken sind dabei mit Seidenband- und Perlenstickereien umgesetzt. Der Unisex-Charakter wird immer wieder durch die Geschlechtergrenzen sprengenden Schnitte betont. Dadurch sind die wenigsten Teile der Kollektion hauteng gearbeitet. „Die trotzdem hauteng gearbeiteten Teile der Kollektion stehen für die Einengung der Persönlichkeit oder der Auslegung des Geschlechts“,  erklärt Antonia Parr gegenüber hannoverfashionweeks.com. So gibt es zum Beispiel corsagenartige Oberteile oder Unterteile aus Folie, die Geschlechtsmerkmale bewusst einengen, aber durch Transparenz trotzdem nicht verbergen können.

Durch Knotungen, einengende Bündchen oder eingesetzte Schluppenkrägen wird das Thema weitergesponnen. Im Gegensatz dazu stehen Klare gerade Schnitte wie Blusen und Hemden, aber auch klassische Manschetten an jeglichen Saumabschlüssen, um bewusst mit männlichen und weiblichen Klischees zu spielen.

Die Farbauswahl beziehe sich laut der Designerin hierbei auf die Farblehre der Kunst, was den Bezug zwischen Kunst und Mode aufgreifen soll. Terrakotta-Töne und Rostrot werden mit starkem Blau sowie dezenten Mint- und Gelbtönen kombiniert.

Das raffinierte Wechselspiel aus Fragen Attraktivität, Wohlfühlfaktor und den entsprechenden Gegensätzen gelingt auch in der Stoff- und Materialwahl hervorragend. Auf Kunststoffe hat Antonia Parr insoweit verzichtet, dass sie nur in den Teilen der Kollektion vorkommen, die bewusst als unangenehm wahrgenommen werden sollen. Für ein Premium-Tragegefühl stehen dafür Pongé-Seiden und Seidenchiffon sowie Wollflanelle. Samt- und Plüschstoffe zielen auf Aspekte von Gemütlichkeit im Interior Design. Bewusster Einsatz von Raffungen und Falten soll das Thema Slut Shaming im Sinne von Wohlbefinden und Unwohlsein verspielt und ironisch darstellen, wenn diese Beispielsweise an Ausschnitten vorkommen. Ein insgesamt komplexes Konzept, dass die Designerin mehr als gekonnt in eine imposante und facettenreiche Kollektion umgesetzt hat.

Fotos: Pia Angela

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