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From Runway to Backstage: Das waren die Fashion Finals 2016 im Sprengel Museum


Moderne Trachten-Interpretationen, von David Bowie inspirierte Streetwear und Auseinandersetzungen mit Künstlern wie Niki de Saint Phalle, Baptiste Debombourg, Wassily Kandinsky und Kultregisseur Wes Anderson– die 16 Absolventen der Fahmoda haben bei den Fashion Finals 2016 im Sprengel Museum durch die Bank ein beeindruckendes Spektrum an Kollektionen und Konzepten gezeigt. Die drei Talent Awards gingen an Lisa Wersch, Judith Hauser und Julia Portia Allen. Mit den Präsentationen des dritten und fünften Semesters waren in beiden restlos ausverkauften Shows insgesamt 65 Designer mit rund 300 Outfits zu sehen. 

Das bereits als Label auftretende Duo HoertingerSolak zeigte eine in herausragende Kreationen umgesetzte Auseinandersetzung mit der modisch grotesken, hyper-bourgeoisen Jugendbewegung während der Französischen Revolution – den „Incroyables et Merveilleuses“. Das entsprechende Defilee der „Collage Merveilleux“ überzeugte dazu durch eine ungewöhnlich theatral inszenierte Performance entlang des 30 Meter langen Laufstegs in Hannovers renommiertem Sprengel Museum, wo die Fashion Finals in diesem Jahr erstmalig stattfanden. Das Vexierspiel eines morbiden Guillotine-Chic zwischen historisch anmutender Couture und dandyesken Punk-Elementen war einer der Höhepunkte und gleichzeitig der Schlusspunkt des Defilees beider Shows.

Labels und Inspirationen
Designerin Franziska Sprengel trat ebenfalls bereits unter ihrem frisch gegründeten Label X Sprengel auf und zeigte mit „XX“ eine durch die Expo 2015 in Mailand inspirierte Kollektion mit Blüten-Prints auf Basis von Röntgenaufnahmen. Accessoires aus gelasertem Acryl- und Plexiglas ergänzten die bemerkenswerten Outfits.

Besonders stark standen Themen wie Heimat oder die eigene Familiengeschichte im Fokus der fertig ausgebildeten Modedesigner und Maßschneider. So etwa bei Carolin Reuter mit ihrer Trachten-Kollektion „My Dear’N’Deer“, bei Vanessa Dalmann mit ihrer Hommage an die schlesische Foklore namens „Tak Smakuje Zycie (So schmeckt das Leben)“, bei Hanna Schwellenbergs „Heimelich“ oder „Larissa Arndts „Heimathafen“ und bei Clara Siegenthalers autobiographisch inspirierter Avantgarde-Couture „Memento Mori“.

Satirisch hingegen hatte Vanessa Hagen das diabolische Verführungsmotiv aus Goethes Faust in ihre Kollektion „#DESPUDELSKERN“ in die heutige Welt von Selfies und Social Media-Wahnsinn übertragen.  Mit Lewis Carrol ebenfalls literarisch inspiriert, war auch Paloma Krauses Kollektion „How long is forever“. Prints persönlicher Fotografien versinnbildlichten darin die Verschmelzung von Natur und Architektur.

Von der Kunst inspiriert waren hingegen Alissa Schulzes Avantgarde-Entwürfe mit dem Titel „Art Terrorist“, einer stofflichen Reinkarnation der ersten Happenings Niki de Saint Phalles (nicht der Nanas vom Leineufer!), und Melissa Schulz‘ „Eunoia: Beautiful Thinking“, eine Ready-to-wear-Kollektion als Auseinandersetzung mit Baptiste Debombourg und Pierre Soulages.

Den Einfluss von Videogames und Animes nahm hingegen Elif Ünal zur Grundlage und übersetzte die Themen Realitäts- und Identitäsverlust in ihre Kollelktion „Anshin-Anshin“.

Talent Awards und Elektro-Performance
Der erste Preis der Talent Awards ging an Lisa Wersch für ihre Kollektion „The space between us – fleshed“. Die Plätze zwei und drei belegten Judith Hauser mit „Escapism“ und Julia Portia Allen mit „Candy And Sky“. Die Jury sei sich in ihren Entscheidungen sehr einig gewesen, sagte VDMD-Präsident René Lang im Anschluss der Show gegenüber hannoverfashionweks.com.

Laut Jury-Mitglied und Kollegin Julia-Maria Blesin vom Nicetohave Mag waren die Kriterien des zweistufigen Bewertungsverfahrens vor allem Professionalität und erster Eindruck, Nachhaltigkeit, Konzept und Innovation.

Untermalt von den Live-Klängen der Hamburger Elektro-Pop-Band Foxos zeigten auch Studierende aus dem dritten und fünften Semester unter dem Motto „Art Life“ und „Motors & Cars“ ihre aktuellen Arbeiten. Darunter auch vor wenigen Wochen im Rahmen der Berliner Modewoche beim Volkswagen Fashion Design Award prämierte Preisträger-Outfits der Fahmoda-Studentinnen Anika Dierker und Bettina Schmutz. Insgesamt zeigten 65 Designer der Fahmoda ihre Arbeiten.

Auf dem Laufsteg war zum zweiten Mal auch Model Paula Grafenhorst zu sehen. Hinter der Bühne sorgten diverse Visagisten und Stylisten für außergewöhnliche Haar- und Make-up-Kreationen. Darunter auch Freund Pierre „HairRock“ Heinemann mit seinem zehnköpfigen Team. Unsere kleine Backstage-Galerie gibt’s zum Abschluss hier…

Fotos: Arne Gutknecht, Antonia Savigny, Vierfotografen, Rüdiger Oberschür/hannoverfashionweks.com

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