Collections, Shows

Zwischen Kung Fu und dem goldenen Glanz der Samstagnacht: William Fan zeigt beim Berliner Salon im Kronprinzenpalais


Bereits zum dritten Mal hat William Fan in der vergangenen Woche auf der Fashion Week in Berlin gezeigt. Diesmal begeisterte der gebürtige Hannoveraner mit einer Kollektion, die es versteht Purismus und Opulenz zu verbinden. Und die den Grundstein für eine Tagesrobe legt, an der noch eine glamouröse Nacht hängt. „Kennst du noch die Euphorie bevor man ausgeht? Wenn man sich vorstellt, es ist Samstagabend und man macht sich fertig? Welche Dinge braucht man, um sich aufzuhübschen um selbstbewusst in die Nacht gehen zu können?“ William Fan hatte Sehnsucht nach diesem Gefühl. Nach dem Reiz der Adoleszenz, die er ins Erwachsenendasein übertragen wollte. Und so widmete er diesem Gefühl eine ganze Kollektion.

Tassels schwingen an der Frontrow vorbei, in gelb, an dem Saum eines frei schwingenden Kleides,  unter dem Schösschen eines Trenchcoats, durch die hindurch man einen einen Po Ansatz zu sehen glaubt, an dem Rücken einer Kurz-Jacke, in die man reingreifen möchte. Tassels, das sind die Fransenknäufe, die Nicht-Modeleute von Gardinen kennen, die an Tauen von Vorhängen befestigt sind, damit sie eben die nicht aufschwingen lassen und das, was man Aussicht oder Bühne nennt, freigeben. William Fan freut sich darauf gerade diese Tassels in seiner Show schwingen und sich bewegen zu sehen, weil seine Lieblingsteile auf der Stange nicht funktionieren. „Sie brauchen Bewegung“. 

Das Licht der nacht in schwarzen Pailletten 

Williams Kollektion für Herbst/Winter 2016/17  ist eine Verneigung an das Ausgehen geworden, eine Annäherung an die Möglichkeiten, wenn man im Club auf die Tanzfläche geht und zeigt, wie schön das ist, wenn sich etwas bewegt, wenn sich Stoffe bewegen, wenn das Licht der Nacht sich in schwarzen Pailletten spiegelt, wenn der Schlag einer Hose um das Bein kreist, wenn durchscheinende Haut an Ärmeln lockt, wenn goldene Latex-Röhren aussehen, als hätte man sich Schmuck in Laisser-faire- Attitüde um die Beine gegossen.

William nennt es eine Kampfansage. Soundtrack- Ausschnitte von Bruce Lee-Filmen eröffnen den Club in den William einlädt, an einem Donnerstag Abend in Berlin. Unweit Unter den Linden – ins  Kronprinzenpalais. Natürlich kein Club. Höchstens der, der elitären Designer. Eine besondere Ehre für den 28-jährigen Designer mit Wurzeln in Hannover und Hong Kong, der die zwei Saisons vorher noch im Fashion Week Zelt am Brandenburger Tor seine Kollektionen Jade Garten und Welcome home vorgestellt hat.

„Im Kronprinzenpalais zu zeigen ist eine ganz besondere Ehre für mich. Die Räumlichkeiten entsprechen wirklich sehr meinem persönlichen Geschmack und es ist wunderbar, dass der Berliner Mode Salon auf mich aufmerksam wurde“, erklärt William gegenüber hannoverfashionweeks.com 

William Fan Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2016 Der Berliner Mode Salon ist eine Institution, die sich unter der Leitung von Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, es zur Aufgabe gemacht hat die besten Designer Deutschlands in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren und zu vernetzen und so fand man William Fan in der Januarausgabe der deutschen Vogue auch unter den „drei aufstrebensten Talenten der deutschen Modeszene“ wieder. Neben Nobi Talai und Louise Friedlaender. 

Dass William Perfektionist ist, verlangt keine hellseherischen Fähigkeiten. Trotzdem eineinhalb Stunden vor der Show ist  der Designer komplett relaxt. Es wird noch goldene Folie an einer Foto-Wand für die Fotografen arrangiert und jemand bedampft schnell noch Einzelteile, das übliche Prozedere. Umso mehr Zeit bleibt über den Schmuck zu sprechen, der gleich einen besonderen Platz in der Show bekommen wird.

Mit Gold gegen Grau

„Ich mochte schon immer gerne Gold und wollte einen organischen Schmuck entwickeln, der nicht zu grafisch ist. Der Schmuck wurde in Marrakesch hergestellt, handgemachter Messingschmuck. Ich habe Knetformen dort hingeschickt und dann wurde er gemustert. Er ist wunderschön geworden und pimpt jeden Look auf.“

Dieses Aufpimpen fehlt dem jungen Mann, der sich gerne aufhübscht zum Weggehen schon ein wenig im Gros der Gesellschaft. „Das Leben ist einfach zu kurz um grau zu sein“, so Fan. Zwei Stunden später weiß man, was er meint. Goldene, sichelförmige Colliers ranken sich auf links gedreht um den Hals wie Krägen, Armbänder schlängeln sich wie lang gezogenes, in einen Strudel gesogenes Kaugummi um die samtenen Ärmel der chinesischen Jackets und Morgenmäntel der Herren und der überlangen goldenen und schwarz samtenen Ärmel der Damen. Besonders elektrisierend wirken die wie Stimmgabeln nur über die Ohren gehängten Ohrringe bei den Damen. 

Der Schmuck des Rhythmus

Es mutet konfus nach Konfuzius an und fließt doch alles im Fluss der chinesischen Attitüde und Selbstkontrolle die bei William stets spürbar ist. Und so beschreibt er seinen Takt eines perfekten Abends und den Soundtracks für die Show sehr geradlinig und vorhersehbar. „Eigentlich ist es eine kleine Geschichte, eine Story die mit der Musik erzählt wird. Es fängt alles mit dem Soundtrack aus Bruce Lee-Filmen an, das spiegelt sich auch in der Kollektion wieder, in den Schnitten, in der Attitüde wie man sich durch den Tag bewegt – eine Kampfansage. Eigentlich wie der Verlauf eines Abends. Es beginnt alles sehr mystisch, dann geht der Bass los, es sind aber auch verschiedene Genre drin: Hip Hop, House und Indie . Das sind aber auch alles Dinge, die ich selber gern zum Ausgehen höre.“

Zu „If I rule the world“ von Nas endet die Show, nach der man ohne Wenn und Aber modisch  intravenös stimuliert weggehen möchte. Weggehen will mit William, zurück nach Linden auf die Limmer Straße, auf der er früher oft unterwegs war, dem früher und seinem Zuhause , deren Erinnerung er heute seine wunderbare Kollektion gewidmet hat und in deren goldener Hose jeder Move zur Stethoskopreflexion wird. Lasst uns mehr tanzen. Der Rhythmus hat neuen Schmuck bekommen. Einen neuen Fan. 

Fotos:  Luisa Verfürth, Andreas Rentz/Getty Images for Der Berliner Mode Salon

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