Collections, Labels

BOOM Studio: Vom Mados Infekcija zur Capsule Collection bei New Skin und einer Show mit Balagans


BOOM Studio waren die Eyecatcher beim Mados Infekcija 2015. Die litauische Presse zeigte sich begeistert vom Debut „Woman of the Forest“. Ebenso der Konzeptstore New Skin Image House in Vilnius, der BOOM mittlerweile ins Sortiment aufgenommen hat. Robin und Jing Jing, die kreativen Köpfe hinter dem explosiv klingenden Label, haben ihre Laufstegkollektion dafür auf eine vierteilige Capsule Collection reduziert, die seit Anfang Oktober nun bei New Skin geführt wird. Die Kollektion ist in Deutschland gefertigt und arbeitet mit den „Woman of the Forest“-Prints in exklusiven Baumwoll- und Seidenqualitäten. Teile der Kollektion gibt es auch bei einer hiesigen Modenschau am 14. November in Kooperation mit Balagans zu sehen. Doch die Kapsel ist längst nicht alles: Seit ihrem fulminanten Auftritt beim Mados Infectija haben BOOM an Fotostrecken und Kampagen gearbeitet, auch mit Stylistin Luisa Verfürth. Robin wie Jing Jing sind nach dem Bachelor an der HsH nach Bremen geganen – Robin für den Master, Jing Jing für ein Praktikum. Wir konnten die beiden für ein Interview gewinnen,  um die noch junge Geschichte von BOOM einmal zu reflektieren.

HFW: Wie ist es überhaupt zur Gründung von BOOM gekommen?

Robin Rau: Wir beide haben uns erst im vierten Semester richtig kennengelernt und arbeiteten zu der Zeit beide parallel an verschiedenen Kollektionen. Wir stellten fest, dass sich unsere Ideen und Interessengebiete sehr gut ergänzen und entschieden uns, das kommende Semester zusammen zu arbeiten. Als Team haben wir in dem Projekt ‚Nach neuem Trachten‘ eine experimentelle Couture-Kollektion entworfen, die sich explizit mit dem Sterben der Tracht auseinandersetzt. Die Kollektion wurde zum Höhepunkt des Projektes und ist seit dem nicht nur in Hannover und Bückeburg gezeigt worden, sondern auch zur Berlin Fashionweek und in Mailand.

Jing Jing Qi: Seit dieser Kollektion arbeiten wir Seite an Seite an Modenschauen und Kollektionen. Für unsere Bachelorarbeit entschieden wir uns noch, alles getrennt voneinander zu entwickeln. Der Austausch blieb aber bestehen, so dass wir zwei unterschiedliche Kollektionen entwickelten, die wir nach dem Bachelor unter BOOM Studio neu zusammenbrachten. Dieses Prinzip des getrennten Arbeitens und dem nachträglichen zusammenbringen wurde unser Manifest. Hier betonen wir auch unsere Nationalitäten, ich aus China und Robin aus Deutschland. Dieser kulturelle Clash macht BOOM aus.

HFW: Welche Bedeutung hatte das Mados Infekcija für Euch und das Label – jetzt mit einigem zeitlichen Abstand?

RR:  Das Festival und der Wettbewerb Mados Injection waren die Möglichkeit unser Debüt auf internationalem Parkett zu präsentieren. Wir hatten jegliche Freiheit für die Präsentation. Als junges Label ohne Finanzierung war dies eine großartige Chance sich zu positionieren. Soweit, das wir sogar für nächstes Jahr wieder eingeladen worden sind. Für uns bedeutet das: weitermachen, denn wir haben dort gemerkt das unser Experiment BOOM Studio geglückt ist. Wir arbeiten nun im klassisch saisonalen Rhythmus Frühjahr/Sommer, Herbst/Winter weiter.

HFW: Also arbeitet Ihr bereits an der ersten Frühjahr/Sommerkollektion? Was sind die nächsten Schritte?

JJQ: Ja, genau, an der ersten Sommerkollektion. Das heißt: getrennter Stoffeinkauf, gemeinsame Meetings und Anproben. Wir haben schon die Pre- Summer-Kollektion geshootet und nähen, nähen, nähen.

HFW: Ihr arbeitet bis zu einem gewissen Moment getrennt voneinander. Was würdet Ihr sagen, macht Eure Art zu designen sonst noch aus?

RR: Die ausgeglichene Arbeitsweise. Wir arbeiten konzentriert mit einer großen Portion Witz. Unsere Arbeitsweise ist sehr spontan und wird ständig optimiert. Zudem sind wir sehr ehrlich zueinander. Wir respektieren unsere Meinungen und loten sie gemeinsam aus. Wir vermuten, es ist der Spaß an der Mode und nicht der Ernst.

HFW: Was sind Eure Ziele für die nahe Zukunft?

JJQ: Wir arbeiten an unsere Internetseite mit Onlineshop, wo wir zukünftig direkt nach unserer Show Kollektionsteile verkaufen wollen. Natürlich stehen Modenschauen und Wettbewerbe an, um eine gute Art der Finanzierung für unser Label zu bekommen. Wir machen in jedem Fall weiter und wollen, je nachdem was passiert, bald auch auf Messen gehen.

HFW: Ihr seid beide HsH-Absolventen. Was würdet Ihr sagen, war das besondere an der Ausbildung hier in Hannover?

RR: Die Unterstützung und die tollen Projekte, welche uns ermöglicht haben das komplette Paket zu bekommen. Das bedeutet neben der klassischen Ausbildung zum Modedesigner mit Schnitt, Fertigung, Illustration und dem schöpferischen arbeiten zudem die Organisation von Modenschauen in interdisziplinären Teams, Buchveröffentlichungen und Ausstellungen kennenzulernen. Dieses Komplettpaket ist selten zu finden. Zudem kann man sich noch unabhängig und eigenständig entwickeln. Man sieht es ja jedes Jahr beim Modepreis- jeder Absolvent findet seine eigene Formsprache.

HFW: Ihr habt Euer Label hier in Hannover gegründet. Was bedeutet das für Euch? Empfindet Ihr hier bisher eine besondere Form von Unterstützung?

RR: Von der Hochschulseite und unseren ehemaligen Professoren erfahren wir viel Zustimmung und Hilfe. BOOM Studio war auch zum Modepreis 2015 im Schauraum Horizonte im tschechischen Pavillon zu finden. Jedoch arbeiten wir beide aktuell von Bremen aus.
 HFW: Jing Jing, Robin, vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: BOOM Studio, Martin Prötter

Video: Mados Infekcija

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