Scene

NTHM x HFW


Julia und Pauline vom Nicetohave Mag (NTHM) haben uns im Sommer als erste auf ihren Seiten willkommen geheißen. Von der Euphorie nun langsam befreit, wollen wir uns an dieser Stelle endlich mal revangieren. Und zwar anständig – mit einem Interview. Darin schildern die beiden Fashion-Bloggerinnen ihre ganz persönliche Sicht auf die hiesige Modelandschaft. Das war uns wichtig und en Detail ziemlich spannend und aufschlussreich. Vor allem die Statements der beiden zur Theoriebildung in Sachen Fashion Blogs. Also bitte zur Kenntnis nehmen und durchlesen.

HFW: Wie kam es zur Gründung von NTHM?

NTHM: Wir wollten eine Onlineplattform aufbauen, wo wir inhaltlich abwechslungsreich arbeiten und beide gleichberechtigt unsere Vorlieben und Interessen einbinden können. Wir ergänzen uns gut in unseren Talenten und lernen viel voneinander.

Julia-Maria BLessin und Pauline ... sind die Macherinnen des Nice to have Mags.
Julia-Maria Blesin und Agnes Pauline Pielka sind die Macherinnen hinter  „Nice to have Mag“.

HFW: Warum ist Hannover mehr Fashion als mancher vielleicht auf den ersten Klick denkt? Wie steht Ihr zu Eurem Standort?

Julia: Erst einmal das Offensichtliche: Hannover bringt mit dem Modedesign.Studiengang an der Hochschule Hannover und den modespezifischen Ausbildungsmöglichkeiten an Fahmoda, M3 und Deutsche Pop jährlich einen beachtlichen Nachwuchs an Mode affinen und talentierten Professionals hervor. Die Modeschulen prägen hier mit ihren Ausstellungen und Modeschauen die Fashion relevante Veranstaltungslandschaft in Hannover. Auch zieht es nicht alle Nachwuchsdesigner nach Studium und Ausbildung nach Berlin und andere Modestädte. Derzeit rütteln die Mädels von Trailer Trash Hannöversche Designer aus dem Dornröschenschlaf. Das Konzept klingt aus PR-Perspektive für Hannover als Modestandort sehr vielversprechend.

Pauline: Hannover ist für mich Heimat, hier bin ich aufgewachsen. In Hannover kennt man sich noch, die Mode- und Kreativszene ist klein, der Zusammenhalt ist groß. Man kann sich entwickeln und hat irgendwie noch Platz zum Atmen und Ausprobieren. Man kann viel erreichen, wenn man Ehrgeiz zeigt. In Hannover geht es nicht nur ums auffällig sein oder darum um jeden Preis aus der Masse hervor zu stechen wie in den großen Metropolen. Mode kann hier auch mal leisere Töne anschlagen, die vielleicht nicht jeder auf den ersten Blick entdeckt.

Julia: Mit Bree haben wir in Hannover außerdem nicht nur ein Traditionsunternehmen, sondern auch einen sehr spannenden internationalen Fashion-Player. Auf den zweiten Klick stellt man fest, dass es durchaus Potenzial für eine Modebloggerszene in Hannover gäbe. Zumindest gibt es eine handvoll Modebloggerinnen mittlerer bis sogar großer Reichweite. Leider sind wir bisher wenig vernetzt – schade eigentlich!

HFW: Ihr seid 2013 gestartet. Warum Fashion Blogging, was begeistert Euch auch heute noch daran?

Pauline: Die abwechslungsreichen Inhalte machen einfach Spaß. Wenn es mal nicht um Mode geht, probieren wir uns an Beauty, Living oder Reisen aus. So wird es eben nie langweilig.

Julia: Genau! Es ist auch ein klasse Ausgleich für mich: Neben meiner Arbeit als Kommunikationsforscherin und Mama einer wilden Zweijährigen finde ich auf Nicetohave Mag Kopf und Platz mich mit Mode, Kosmetik und anderen schönen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen.

HFW: Mal zur Theorieebene – was macht einen guten Fashion Blog Eurer Meinung nach aus?

Pauline: Mode soll Spaß machen und das soll man auch sehen! Außerdem, Professionalität an der Sache: Recherchierte Inhalte und Fotos, bei denen ich selbst Lust auf mehr bekomme. Am wichtigsten ist aber ein eigener Stil! Mir persönlich kommt es nicht darauf an jeden Tag die neuesten Mode-Items zu sehen. Übermorgen sind die meist ohnehin wieder vergessen. Ich möchte Charakter sehen, was zusammengestellte Outfits, aber auch Inhalte und Schreibstil angeht. Das Gefühl, einen Blogger beim Lesen seines Blogs „kennenzulernen“ ist extrem wichtig.

Julia: Leider wahr, aber für mich überhaupt nicht attraktiv: Outfitposts mit den aktuellen Kollektionen der gängigen High Street Labels sind sehr erfolgreich. Ich verspüre dabei allerdings nichts als Langeweile. Möchte ich sehen, wie die Keypieces von H&M, Zara & Co. angezogen aussehen, werfe ich einen Blick in deren Lookbook oder den entsprechenden Kampagnenfilm. Der allgemein überstrapazierte Begriff Authentizität kann für Mode- und Lifestyleblogger gar nicht hoch genug gehalten werden. Generell gilt: Neben ästhetischen Bildern und unterhaltender Schreibe suchen LeserInnen in Blogmedien vor allem eines – Erfahrungen. Wer mit Erfolg bloggen möchte, sollte diesen indirekten Servicegedanken im Hinterkopf behalten. Vor einiger Zeit habe ich bei einem Startup-Event einen Vortrag zum Thema Blogging als Business gehalten. Es gibt so einige Do’s und Dont’s, die Blogger beachten sollten

HFW: Hannover hat viel Ausbildung in Sachen Modedesign zu bieten. Habt Ihr einen Favourite Designer von hier?

Julia: Balagans ist klasse! Mit Boom Studio steht außerdem eine spannende Zusammenarbeit in den Startlöchern. Die Rucksäcke von Jakob Lukosch habe ich bei der Kickoff-Party von Trailer Trash gesehen und war augenblicklich schockverliebt – wo bleibt bloß der Onlineshop? Auch von den Fahmoda-Absolventinnen habe ich schon so manche im Auge und bin sehr gespannt auf zukünftige Designs und Labels. Lisa van Wersch zum Beispiel.

Pauline: Aleks Kurkowski. Sie hat einen ganz speziellen minimalistischen Stil, der nicht jedem Trend gerecht zu werden versucht. Außerdem besteht jede Kollektion aus natürlichen oder ökologischen Materialien. Sie zeigt damit auch jungen Kreativen, dass man es schaffen kann: ihre Kollektion waren schon zweimal auf den Laufstegen der MBFWB zu sehen.

HFW: Stimmt, Aleks‘ Sachen sind großartig. Mit ihr und dem Related Store bereiten wir gerade unser erstes Fashion Event vor. Was könnte Hannover brauchen, um als Modestandort, sagen wir, wahrgenommen zu werden?

Pauline: Mehr Selbstvertrauen!

Julia: Selbstvertrauen in die eigene Kreativität und Fertigkeiten sind wichtig, um sich national zu behaupten. Seitens der Akteure würde ich mir in der lokalen Kommunikation aber auch ein wenig mehr Realitätsnähe statt Kopf-in-den-Wolken – gelegentlich einhergehend mit einer Von-oben-herab-Attitüde – wünschen: Auf die Region begrenzte Events, wie der Modepreis oder die Fashion Finals, sind spannend – für die Angehörigen der Absolventen, Mode-interessierte Lokalbevölkerung und mit Glück ein kleines Fachpublikum. Vogue-Material ist das aber nicht. Die Zusammenarbeit mit Modebloggern wäre hier ein erster Schritt ein  über die Leserzielgruppen der Lokalpresse hinaus gehendes Publikum zu erreichen. Solche Kooperationen setzen die Vernetzung von Designern, einschlägigen Schulen und Bloggenden voraus – ein ganzes Stück Arbeit!

HFW: Exakt, und daran wird weiter gearbeitet – auch von unserer Seite! Julia, Pauline, vielen lieben Dank für das Interview. 

Fotos: Nicetohave Mag, 2015

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