Collections, Labels

Schwarze Romantik: Designerin Aleks Kurkowski


Aleks Kurkowski ist die Queen of Blackwear. 2012 gründete die Designerin nach ihrem Abschluss an der HsH und ersten beruflichen Schritten in der Modeindustrie ihr eigenes Label. 2013 wurde der Firmensitz in Berlin etabliert und wird derzeit nach Düsseldorf verlegt. Zweimal hat das Label bereits auf der MBFWB gezeigt. Zuletzt die Kollektion „Romanticism & Reality“ für Herbst/Winter 2015/16. Thema: die Weltauffassung aus Sicht der Künstler der Romantik. Dabei stehen grobe Woll-Walkstoffe, schwere Baumwolle und Leder im Vordergrund. Als Kontrast viel transparenter Chiffon und feine Woll-Anzugstoffe. Die Schnitte sind weit und offen, mit strengen Details ausgeführt. Roh, progressiv, aber geradlinig ist der Look, den die deutsch-polnische Designerin präsentiert. Farben? Keine Chance. Schwarz gehört die Gunst der Stunde. Wir sprachen mit Aleks Kurkowski über ihren (nachhaltigen) Stil und fanden ein Label-Porträt in Interviewform dabei eine ziemlich gute Idee. 

HFW: Aleks,  warum ist Schwarz so schön?  

Aleks Kurkowski: Schwarz ist unkompliziert und bleibt dennoch immer interessant. Farbe hingegen wird sehr schnell langweilig. Deshalb werden jede Saison ja neue Farbtrends angeboten, weil sich der Kunde zu schnell satt sieht. Das ist nichts für mich. Nicht-Farben wie Schwarz oder Weiß sind unvergänglich und für mich ein Muss, wenn man zeitlose Kleidung schaffen will.

HFW: Deine Schnitte sind sehr geradlinig, vieles wirkt auf progressive Weise geometrisch kalkuliert. Man erkennt dabei oft Dein Interesse an Architektur und Mathematik, was Du beides mal studieren wolltest. Wo siehst Du bei diesen avantgardistischen Entwürfen Deine Zielgruppe?

A.K.: Meine Entwürfe sind nicht für jederman, sondern für eine bestimmte, eher kleine Zielgruppe. Da muss man sich natürlich mehr bemühen, diese zu finden und die richtigen Vertriebswege suchen. Meine Zielgruppe sind individuell denkende, designorientierte Frauen und Männer, die sich bewusst, avantgardistisch und urban kleiden möchten.

HFW: Nachhaltigkeit in der Produktion ist ein weiterer Schwerpunkt bei Dir. Was heißt das konkret?

A.K.: Jede meiner Kollektionen basiert auf natürlichen, ökologischen Materialien wie Bio-Wolle, Bio-Seide, Bio-Baumwolle, Bio-Leinen und pflanzlich gegerbtem Leder und wird ausschließlich in Deutschland und Polen, meinen Heimatländern produziert. Dem Konzept treu zu bleiben ist manchmal schwer, da man in Bezug auf Stoffe und Zutaten beim Thema Nachhaltigkeit mehr eingeschränkt ist und (noch) nicht die vielfältige Auswahl hat. Trotzdem funktioniert es sehr gut. Man muss sich vor allem das richtige Konzept zusammenlegen.

HFW: Klingt, als würde es ziemlich gut laufen. Wie geht es dem Label Aleks Kurkowski zurzeit? Wie sind die Feedbacks auf Deine aktuelle Herbst-/Winterkollektion, auch im Rückblick auf die Show auf der MBFWB im Januar?

A.K.: Die Show auf der MBFWB im Januar war sehr erfolgreich. Und im Allgemeinen entwickelt sich mein Label sehr gut, obwohl es immer noch in Kinderschuhen steckt und noch viel Arbeit bedarf.


HFW: Du hast an der HsH Modedesign studiert. Wie blickst Du heute auf Deine Studienzeit zurück? Welche Inhalte und Bestandteile waren elementar für Dich, wovon zehrst Du noch heute?

A.K.: Ich blicke positiv aber auch wehmütig zurück. Manchmal wünsche ich, ich hätte bereits im Studium versucht, eine gewisse Qualität und einen gewissen Stil zu verfolgen, der mir jetzt sehr wichtig ist. Es ist schwer zu sagen, welche Inhalte und Bestandteile elementar waren, da es ja immer irgendwie um die Summe dieser geht. Vor allem bringt das Studium im Allgemeinen die Persönlichkeit weiter und die eigene Entwicklung, die ich nicht missen möchte.

HFW: Du bist als fertige Designerin erst in die Industrie gegangen, bevor Du Dein eigenes Label gegründet hast? Würdest Du es wieder so machen?

A.K.: Definitiv! Man kann kein Unternehmen führen, wenn man noch nie in einem gearbeitet hat. Das ist meiner Ansicht nach ein Fehler, den viele machen. Eigenes Label klingt erstmal sehr kreativ und voller Spannung. In der Realität sind es zehn Prozent Kreativität und der Rest ist Management. Da muss man eine gewisse berufliche Erfahrung mit sich bringen, sonst scheitert man schnell. In der Industrie arbeitet man als Designer oft im Bereich des Design Managements. Eine bessere Ausbildung als learning by doing kann man gar nicht haben.

HFW: Du hast gerade erst beim Modepreis 2015 in der Jury gesessen. Was sind Deine Empfehlungen an junge Designer und Absolventen, die es als Young Profashional schaffen wollen?

A.K.: Ob sie in die Industrie, zu einem Designer oder in die Selbstständigkeit gehen wollen, Engagement und die Lernbereitschaft für zusätzliche Bereiche der Branche sind äußerst wichtig. Kreativität hat man so oder so, aber zusätzliche Skills wie den Überblick für das Große und Ganze sind von Vorteil, da im Grunde alles zusammenhängt. Vor allem gibt es ein gewisses Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit, die in jeder Branche gut ankommen.

HFW: Du ziehst mit Deinem Label ja gerade von Berlin nach Düsseldorf – zwei deutsche Modemetropolen.  In Hannover wird derweil gerade sehr stark darüber diskutiert, wie man Modedesigner in der Stadt halten und unterstützen kann, damit sie ihre eigenes Label hier in der Stadt gründen. Wie siehst Du das, könnte man auch an der Leine mit einem eigenen Label erfolgreich sein?

A.K.: Ich bin der Meinung, man kann überall Erfolg haben. Es geht nur um das richtige Konzept. Jedem Standort muss man sich anpassen. Für ein Modelabel gilt es sich zu überlegen, welche Vertriebswege man einschlagen will. Den direkten Verkauf oder den B2B-Verkauf, oder beides. Das hängt oft mit dem Produkt zusammen und der Zielgruppe. In Hannover kann ein Unternehmen mit Produkt A und dem Konzept des regionalen Verkaufs sehr gut funktionieren, weil es genau die Zielgruppe Hannover trifft. Ein Unternehmen mit Produkt B verkauft in Hannover nichts, ist aber dafür auf den nationalen oder internationalen B2B-Verkauf ausgelegt und damit ebenfalls erfolgreich. Beide können es von einem und demselben Standort aus machen. Zusätzlich kommt der immer stärker werdende Online-Vertrieb, der Standorte völlig gleichgültig macht.

HFW: Wie schwer oder leicht ist es Dir gefallen, profitable Vertriebswege aufzubauen? Denkst Du schon über einen eigenen E-Commerce nach?

A.K.: Teils leicht, teils schwer. Vieles muss man ausprobieren, um zu schauen, ob es für das eigene Produkt in Frage kommt. Vor allem muss man sehr flexibel bleiben und immer wieder revidieren. Den Online Verkauf halte ich für sehr sinnvoll. Ich hatte bereits letztes Jahr einen eigenen Online Shop, der überarbeitet wurde und jetzt wieder online ist. Mittlerweile ist ein eigener Online-Shop keine große Sache mehr, da man gute fertige Sofware Angebote erhält, mit denen es nicht schwer ist schnell und kostengünstig einen optimalen E-Commerce aufzubauen. Es ist ein erster Weg, um überhaupt auszuprobieren, ob das eigene Produkt auf dem Markt funktioniert. Allerdings muss auch das Marketing stimmen.

HFW: Aleks, vielen Dank für das Gespräch! 

Fotos: Pokaz Mody W Ramach/ Mercedes Benz Fashion Week Berlin A/W 2015, Gerhard Eckardt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s