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Related Store x CPHFW


Anne Rauchfuß und Holger de Boer betreiben seit Sommer 2013 eine der angesagtesten Design-Destinationen der Stadt: den Related Store. Mit dem Umzug vom Engelbosteler Damm an den Wedekindplatz in diesem Frühjahr haben die beiden Fashion-Retailer unweit der Lister Meile nicht nur eine optimale Location bezogen, sondern das Store-Konzept auch ganz auf Menswear zugespitzt. Zum Portfolio gehören angesagte Labels aus Deutschland und Skandinavien wie Hannibal Collection, Umasan, Hope, Libertine-Libertine. R.T.CO, Norse Projects, M.A.M.B oder Our Legacy. Ihre Order-Auswahl treffen Anne und Holger neben den Berliner Messen vor allem auch in Kopenhagen. Von da kommen sie gerade zurück. Grund genug für ein Interview.

HFW: Die Copenhagen Fashion Week findet (CPHFW) findet traditionell spät im Schauen- und Messenkalender statt, wenn selbst Berlin und Düsseldorf durch sind. Ihr ward diesmal wieder bei der Sommerausgabe, für euch ein enorm wichtiges Event. Warum hat die dänische Hauptstadt diesen Stellenwert für den Related Store und nicht, sagen wir, Paris?

Holger de Boer: Man müsste sagen Kopenhagen und auch Paris. Aber richtig, die CPHFW ist für uns besonders wichtig. Aus verschiedenen Gründen. Wir lieben die Stadt und ihre Architektur. Gerade im Sommer hat Kopenhagen einen unheimlich anziehenden Vibe.

Anne Rauchfuß: Die ganze Stadt scheint draußen in den zahlreichen Cafés und Gaststätten zu sein. Die Dänen sind äußerst gesellig und vor allem gastfreundlich. Kaum setzt man sich dazu, ist man bereits in ein Gespräch verwickelt, bekommt Tipps und Anregungen und fühlt sich willkommen. Diese Café- Besuche sind aber auch aus einem anderen Grund ein absolutes Muss. Kurz: Style-Spotting.

HFW: Klar. Aber was macht Kopenhagen während der Schauen und Messen wie CIFF und Revolver so besonders – gerade mit Blick auf Eure Order?

A.R.: Wir finden die unterschiedlichen Kleidungsstile der Kopenhagener ziemlich inspirierend. Es ist mehr als offensichtlich wie modeinteressiert Mädels wie Jungs hier sind. Hier sieht man Styles, die in Deutschland oft erst mit einem Jahr Verzögerung ankommen. Dabei pflegen die Skandinavier einen extrem entspannten Umgang mit Mode. Es scheint immer unangestrengt, cool und chic. Da haben wir vielleicht den Hauptunterschied zu Paris, zumindest zur Zeit der Fashion Week (lacht).

H.d.B.: Was für die individuellen Styles gilt, gilt auch für die Geschäfte und Lokale. Für uns gehört es zum Pflichtprogramm in den bekannten Läden zu stöbern und neue zu entdecken. Es gibt in Kopenhagen auf engstem Raum so viele extrem gut sortierte Läden wie in kaum einer anderen mir bekannten Stadt. Dazu kommt, dass die Läden und Cafés häufig so unglaublich cool aussehen. Das junge skandinavische Design ist extrem vielfältig, aber nie zu laut und aufdringlich. Es ist gepaart mit einem sehr ausgeprägten Qualitätsbewusstsein. Die Verwendung natürlicher Materialien, der kreative Umgang in der Kombination  und auch der erfrischende Einsatz von Farbe.

A.R.: Diese Dinge finden sich auch in der skandinavischen Mode wieder. Und genau dafür lieben wir sie. Kopenhagen ist die Fashion-Hauptstadt Skandinaviens. Auf keiner anderen Modewoche kann man das skandinavische Design so konzentriert erleben.

HFW: Drängt sich die Frage auf: Was waren Eure Highlights, welche Labels habt Ihr besucht?

H.D.B.: Besucht haben wir am ersten Tag den Showroom von Norse Projects, am zweiten den von Our Legacy. Beide mittlerweile mit einer Kollektionsgröße die auf der Messe kaum zu bewältigen wäre. Da ist die entspannte Atmosphäre eines Showrooms das beste um eine Auswahl zu treffen.

A.R.: Mikkel Krath, Mitgründer von Norse Projects, hat uns persönlich durch die Kollektion geführt. Der Sound von Bob Marley, Reggea und Jamaicas Flora ist Hauptinspiration der SS16-Kollektion. Das zeigt sich in Orange-Tönen und einer reichen Palette von Grüntönen wie auch dezenten, floralen Mustern. Weiche Stoffqualitäten sorgen dazu für eine besondere Haptik. Dazu farblich viel Blau und Navy sowie sportive minimalistische Styles. Getreu den Label-Motti „Created for Life“ „Good for all Seasons“ und „Simple Things Done Well“.

H.d.B.:  Our Legacy feiert mit ihrer aktuellen Kollektion ihr zehnJähriges Bestehen unter dem Titel “Ten Years of Tears”. Die Zeit des Tränen Vergießens ist aber wohl vorbei. Von Saison zu Saison werden die Kollektionen größer. Längst haben sie ihren Weg gefunden und schaffen voller Selbstbewusstsein eine Aussage mit Ecken und Kanten.

Der Related Store in der List.

HFW: In welche Kategorie würdest Du das Label stecken?

H.d.B.: Avantgarde, High Fashion – Sicher keine Begrifflichkeiten die im Our-Legacy-Headquarter verwendet werden. Überhaupt scheint man sich nicht um Kategorien zu  kümmern. Außer eben: Menswear. Ausgangspunkt für die SS16-Kollektion ist die Hibiskus-Pflanze. Das maskuline Spektrum wird so im nächsten Sommer mit Rosatönen erweitert – bis hin zu Pink in zahlreichen Abstufungen.

A.R.: Wie immer bei Our Legacy ist die Materialwahl erstaunlich und spielt bei der Neuinterpretation von Sportswear und Menswear Classics eine besondere Rolle. Superleichte Nylon-Hoodies treffen auf Shirt-Jackets aus Leinen und halb geknöpfte Overshirts mit Paper-Touch-Oberfläche. Dazu kommen Sweater Fabrics von technisch glatt bis butterweich im Oversized-Cut. Zu den vermeintlich femininen Farben gesellen sich Grau, Schwarz und feine Blautöne.

HFW: Das verspricht vielfältige Kombinationsmöglichkeiten. Nochmal zu den Messen – wo ward Ihr über die üblichen Verdächtigen hinaus noch?

 H.d.B.: Auf der CIFF haben wir uns unter anderem mit M.A.M.B (Me and my Brothers) aus Oslo getroffen, die wir in dieser Saison noch exklusiv in Deutschland anbieten können. Im Clothing-Bereich geht es da um das neue Gesicht der wieder erstarkten Streetwear.

HFW: Was habe ich mir darunter vorzustellen?

H.d.B.: Hoodies, Sweater und Tees gerne mit plakativen Logo-Prints und kräftigen Zippern werden extralang und schmal geschnitten. Die feinen Jerseys werden durch kräftige Nähte zusammengehalten – daraus ergibt sich eine sportive und doch eigenständige Silhouette.  Die Basiskollektion ist unisex. Diese wird ergänzt durch dezidiert auf Mann und Frau zugeschnittene Teile. Schon in der letzten Saison haben M.A.M.B uns mit ihrer Schuhkollektion überzeugt.

A.R.: Die Minimal-Sneaker in verschiedenen High-Quality-Materialien und Farbvarianten treffen absolut den Nerv der Zeit. Dass diese dann noch in portugiesischen Familienbetrieben zu einem nachvollziehbarem Preis produziert werden, rundet die ganze Geschichte satt ab. Die Schuhkollektion wurde für SS16 nicht nur um weitere Farb- und Materialvarianten ergänzt, sondern bekommt auch Zuwachs im Runner-Bereich. Am anderen Ende kommt noch ein Hybrid aus Sneaker und Plain Derby, der uns umgehauen hat.

HFW: Das klingt alles in allem vielversprechend. Wir sind gespannt, was in den nächsten Wochen die Flächen im Related Store zieren wird. Anne, Holger, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Rüdiger Oberschür
Fotos: Related Store/hannoverfashionweeks.com

 

 

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