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Eric Wodegnal und sein Klamottending


Seine Shirts tragen MC Fitti, Fettes Brot, Kraftklub-Frontmann Felix Brummer, Bonnie Strange oder Conchita Wurst. So oder so ähnlich  fangen die meisten Artikel über Eric Wodegnal und sein Label MTAS an. Der Spiegel nennt ihn den jüngsten Modedesigner Deutschlands.

An einem dieser ultraheißen Hochsommertage latschen wir zusammen durch die List und landen schließlich im Tulipano am Wedekindplatz. Espresso für mich, Filterkaffee für Eric. „Purer Filterkaffe ist das Beste“, schwärmt er und schon beginnt man dieser geschmacksverstärkten, überkaramellisierten Welt zu entkommen und in seine einzutauchen – irgendwo zwischen Schwarz, Weiß und Pink, coolen Statements, lässigen Schnitten und ordentlichen Tatoos. Die liebt Eric und fliegt am Abend sogar noch extra nach London, um sich bei Seven Door Tatoo ein paar neue stechen zu lassen.

Eigentlich hat er ein Problem damit, von Mode zu sprechen, wenn es um MTAS geht. „Mein Klamottending“ klingt auch viel besser. Trotzdem ist der 18-Jährige mit russischen Wurzeln im letzten Jahr von Salzgitter nach Hannover gezogen, um auf der Fahmoda seine Ausbildung als Modedesigner zu starten. Derzeit hat er allerdings ein Urlaubssemester an der renommierten Akademie genommen. Einfach zu viel um die Ohren mit MTAS. „Ich will aber auf jeden Fall zurück“, sagt er ohne Umwege. „Mir gefällt das Schulkonzept dort sehr“. Außerdem studiert Freundin Katharina Brüggemann, mit der er gerade in der Nordstadt zusammen gezogen ist, auch an der Fahmoda.

2012 gegründet hat MTAS derzeit zwei Kollektionen draußen. Die dritte folgt im September. Dazu gibt es schon ein paar Classics. Es sind T-Shirts und Pullover in Schwarzweiß mit Prints von filigranen Zeichnungen, meist gepaart mit humorvollen Sprüchen oder Statements gegen Homophobie. Einen Beutel mit dem Aufdruck „Halt die Fresse“ verschickt Eric mit Sticker und Konfetti. Für die Produktion arbeitet er mit einem Berliner Textilfabrikanten zusammen.

Den meisten Teilen liegt ein MTAS-Kärtchen mit der Aufschrift „Danke für Dein Geld“ bei. Auch eine Art von Customer Relation Management.  „Ich schneide alle Etiketten selbst aus, klebe sie zusammen und beschrifte sie und packe das Konfetti persönlich in jedes Paket“, erklärt Eric. So sei es unmöglich für ihn abzuheben.

Wenn irgendwann mal mehr Farbe in seine Kollektion kommen sollte, dann Pink. Ein Mann mit einer sportiven Armbanduhr samt pinkem Ziffernblatt kommt an uns vorbei und Eric ist sofort elektrisiert. „Die muss ich haben“, grinst er.

Seine erste MTAS-Linie heißt „Nobody ist happy“, die zweite einfach „Over Thinking“. Das passt zu ihm. Eric sprudelt nur so vor Einsprüchen, Querverweisen, spontanen Geschäftsideen und intelligenter Kritik. Eine klare Haltung darf man da aber nicht erwarten. „I’m a f**** walking paradox“ ist das Motto seines Twitter-Kanals. Rund 2.000 Follower hat er hier. Über 10.000 Likes dazu auf Facebook, 5.000 Abonnenten auf Instagram. „Mit Mode kannst Du im Prinzip mehr Leute erreichen als mit Musik“, sagt er einmal, während unseres Gesprächs vorm Tulipano.

Wie das alles so schnell gehen konnte mit MTAS, hat viel mit der Dynamik von Social Media zu tun. Eric kann das selbst alles kaum noch in eine nachvollziehbare Chronologie bringen. Außer dass Bonnie Strange ihm mal in Berlin um den Hals gefallen ist und seitdem sein Wolfgang-Shirt und das mit dem „No place for homophobia“-Schriftzug in ihrem Shit Shop geführt hat.

„Als Bonnie gesagt hat, das ist cool, das kommt in meinen Laden, war ich auf einmal angesagt“, erzählt Eric. Allerdings bringt ihm das bisher anscheinend eher Missachtung seitens Dandy Diary ein.  Nun, man kann nicht alles haben.

Jedenfalls sagt Eric sich seitdem immer häufiger: „Das passiert gerade alles nur, weil ich dieses Label habe“. Sein Klamottending hat ihn verdammt weit gebracht. Bämmm.Only the sky is the limit. Auch eine couturige Linie als Subbrand von MTAS kann er sich vorstellen. Da macht die baldige Wiederaufnahme des Studiums an der Fahmoda durchaus Sinn. Doch erstmal kommt die neue Kollektion im September.

Fotos: Tobias Koop/MTAS, HFW/Rüdiger Oberschür

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