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adidas x Modepreis: Design Director Heike Cimato und Apparel Sina Laura Gerke im HFW-Interview


Heike Cimato und Sina Laura Gerke haben beide Modedesign an der HsH studiert. Allerdings in unterschiedlichen Jahrzehnten. Kennengelernt haben sie sich bei ihrem heutigen Arbeitgeber in Herzogenaurach: adidas. Heike ist bei dem Sportswear-Label mit den drei Streifen als Design Director tätig, Sina Apparel Design. In diesem Jahr saßen sie beim Modepreis Hannover gemeinsam in der Jury. Beim Backstage-Interview mit Hannover Fashion Weeks blicken beide zurück auf  Studienzeit und Berufseinstieg. Dann kam auch noch zufällig Lisa Rammelkamp, die später den Wormland-Preis für das beste Menswear-Outfit gewinnen sollte, kurz vor der Show mit dem passenden T-Shirt dazu. 

HFW: Ihr habt an der HsH Modedesign studiert. Wie blickt Ihr heute auf die Studienzeit zurück?

H.C.:  Für mich war das Studium eine sehr positive Zeit. Es war schön Zeit für die Entwicklung von Kollektionen zu haben, und sich intensiv damit zu beschäftigen, zu experimentieren und dadurch zu lernen. Heute, im Beruf, stehe ich unter extrem hohen Zeitdruck und muss schnell kommerzielle Entscheidungen treffen. Da bleibt oft nicht mehr viel Zeit zu experimentieren. Ich vermisse das sehr.

S. L. G.: Als Designerin habe ich eine Menge gelernt. Die Anforderungen in der Industrie und der Berufseinstieg waren dann aber nochmal etwas anderes. Darauf kann das Studium nur schwer vorbereiten, so ging es mir zumindest. Das Heike ja mit dem Zeitdruck und den kommerziellen Entscheidungen schon angesprochen.

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Design Director Heike Cimato (links) und Apparel Lisa Laura Gerke (rechts) mit Lisa Rammelkamp und Model – Backstage beim Modepreis 2015.

HFW: Welche Inhalte und Bestandteile waren elementar für Dich, wovon zehrt Ihr noch heute?

H.C.: Ich bringe noch heute viele Grundlagen ein, welche ich im Studium erlernt habe z. B. die technischen Grundlagen wie Schnitttechnik, und die Fähigkeiten neue innovative Konzepte zu erstellen. In der Industrie gibt es den abgekauten Spruch: “Think out of the Box”. Dieses “ Out- of-the- Box-denken“ habe ich im Studium trainiert und ich wende es noch heute täglich an. Ich versuche ständig neue andere Ansätze zu finden und vermittle diese Fähigkeiten heute meinem Team.

S.L.G.: Da stimme ich voll zu. Gerade da ich ja zu Deinem Team gehöre (lacht).

HFW:  Was waren prägende Erfahrungen?

S.L.G.: Im Studium haben wir sehr teambezogen und kollaborativ gearbeitet, die Industrie ist hingegen sehr auf Einzelkampf ausgerichtet. Das finde ich schade. Ich habe mich von Anfang meiner Karriere darauf konzetriert das Teamdenken und die Kollaboration in der Industie zu beizubehalten und zu fördern.

HFW: Ihr seid als fertige Designerin direkt in die Industrie, zu adidas gegangen? Warum? Würdet Ihr es wieder so machen?

H. C.: Ich bin nach dem Studium erst nach New York gegangen und habe für verschiedene Firmen und Projekte frei gearbeitet, sowohl kommerziel als auch weniger kommerziell. Ich wollte erst ein paar Firmen kennenlernen, verschiedene Dinge sehen um dann eine Entscheidung zu treffen, wo ich vielleicht für ein paar Jahre arbeiten möchte.

S. L. G.: Ich bin gleich nach dem Studium in die adidas Design Academy aufgenommen worden und habe erstmal zwei Jahre in Shanghai und Herzogenaurach enorm viel gelernt, vor allem über Marke und Unternehmen, von Sport Syle über adidas Originals zu Performance-Bekleidung. Heute bin ich Teil des Sport Performance Teams und arbeite vorwiegend im Menswear-Bereich.

H. C.: Ich bin meinen Weg am Anfang eher experimentell angegangen und habe mir den Freiraum gegeben all das in mein Leben einzubauen, was mir zu der Zeit wichtig war. Etwa  Arbeiten im Ausland , Reisen, Abenteuer, mich  zu finden und intelligent mit Risiken umgehen. Ich war sehr jung und wollte nicht in einer konventionellen, konservativen Firma in Deutschland mein Arbeitsleben starten. Natürlich wusste ich nicht, ob ich es schaffe. Der Anfang in New York war schwer, unsicher und risikoreich. Ich hatte aber viel Mut, Neugier und Durchhaltevermögen. Ich würde es definitiv wieder so machen. Ich habe auf meinen Instinkt gehört und nicht auf Andere. So habe ich schließlich für  Fila, Nike, Reebok, Converse und dann in Amsterdam für Nike gearbeitet, bis ich schließlich zu Adidas kam.

HFW: Was sind Eure Empfehlungen an junge Designer und Absolventen, die es als Young Professional schaffen wollen?

H. C./S. L. G.: Habt Mut! Nehmt kalkulierte Risiken in Kauf. Seid auf eure Arbeit fokusiert und auf das was ihr machen
wollt! Wenn ihr etwas nicht beherrscht lernt es sofort dazu. Lernt nie aus und bleibt neugierig!

HFW: In Hannover wird aktuell sehr stark darüber diskutiert, wie man Modedesigner in der Stadt halten und unterstützen kann, damit sie ihre eigenes Label hier in Hannover gründen. Wie seht Ihr das, kann man auch in einer Stadt mit einem eigenen Label erfolgreich sein?

H. C.: Es ist immer noch extrem schwierig, sich in Deutschland mit einer neuen Marke zu etablieren. Was oft fehlt sind Kunden, die an junge Designer glauben und die Ausdauer haben und Designer unterstützen ein neues Label zu etablieren. Die meisten Kunden und Einzelhändler setzen lieber auf bekannte Marken. Wenn aber der Designer eine starke, eigene Handschrift hat und diese bei Kunden Anklang findet, kann man es dennoch mit viel Mut, Durchsetzungsvermögen und Eigeninitiative schaffen sich etwas aufzubauen.

HFW: Heike, Sina – vielen Dank für Eure Zeit und das Gespräch.

 

Fotos: Rüdiger Oberschür/adidas

 

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