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Der kalte Herd: Vom Schwarzwald an die Trachtenleine


Fleischfressende Pflanzen, zerfließende Herzen, lustige Bananenblumen, beißende Herzfresser, versteckte Glasmännchen, glitzernde Bonbons und verspielte Rosenkränze: Wer mit Tracht nur angestaubte Gewänder oder tief dekolletierte Dirndl verbindet, kennt Alexandra Weber noch nicht. Die junge Designerin entwirft mit ihrem Label Der kalte Herd in Hannover Trachtenmode, die so gar nicht bieder daherkommt. Entstanden ist es im Rahmen ihrer gleichnamigen Abschlusskollektion an der HsH. 

Die Modelle sind in der Passform besonders variabel. Paspelierte Nahtzugaben verweisen auf die hochwertige Verarbeitung. Trachtenelemente wie Webbänder und Stickereien werden auf subtile Art und Weise in einen neuen Kontext gesetzt.

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Der Schwerpunkt auf Tracht kommt nicht von ungefähr – Alexandra Weber ist ein Kind des Schwarzwalds, geboren im Breisgau. Dort verweisen Trachten auf noch mehr als Handwerkskunst und Tradition. In ihrer ursprünglichen Form ist eine Tracht ein ganz persönliches Kleidungsstück. Man wählt gemeinsam mit dem Trachtenschneider den Stoff aus, genauso wie Knöpfe, Bänder und Stickereien. Die Tracht wird individuell und passgenau zugeschnitten. Geht etwas kaputt, so wird ausgebessert. Veränderten sich die Proportionen, etwa durch eine Schwangerschaft, so änderte man die Tracht ab. So blieb sie ein ständiger Begleiter und hatte eine lange Lebensdauer.

der-kalte-herd_slider-3 Diesem Konzept bleibt das Label treu und folgt in der Herstellung den Prinzipien der Trachtenschneider. Aus einem Pool an verschiedenen Modellen kann sich die Trägerin bei Alexandra Weber ihr passendes Modell zum derzeitigen Lebensentwurf heraussuchen und gewünschte Änderungen in Form, Farbe und Dekor jeweils direkt mit der Designerin abstimmen.

Geboren wurde die Designerin 1983 in Waldkirch bei Freiburg im Breisgau. Nach dem Abschluss zweier Ausbildungen als Modenäherin und Kauffrau im Einzelhandel zog es sie gen Norden – zum Modedesign-Studium nach Hannover, wo sie 2011 ihren Bachelor an der HsH machte. Ihre Abschlusskollektion gewann beim „Lionel Designpreis Braunschweig“ den ersten Preis in der Kategorie „Fashion and Textile“.

Dem Thema Tracht blieb Alexandra auch für ihren Master-Abschluss an der HsH treu. Sie studierte die Amts- und Ordenstrachten der evangelischen Frauenklöster und Stifte in Niedersachsen und entwickelte dabei das  Ausstellungskonzept „…und wo sind die Nonnen?“. Die Klosterkammer Hannover unterstützte Alexandra in ihrem Vorhaben mit einem Stipendium. Am 24. März 2014 eröffnete Bernd Busemann, Präsident des 17. Niedersächsischen Landtages, schließlich Alexandra Webers fertige Ausstellung mit dem Titel „Weniger ist Herrlichkeit“ im niedersächsischen Landtag Hannover, die in interdiziplinärer Zusammenarbeit mit Studierenden der HsH entstand.

Alexandra arbeitet in der 2013 entstandenen Ateliergemeinschaft Huso Huso Studios, ein gemeinsames Projekt von sieben Absolventinnen der HSH. Aus dem Bedarf an Raum und dem Wunsch nach gemeinsamen Arbeiten entwickelte sich ein Konzept, welches den Designerinnen und ihren Labels heute einen Ort für Austausch und Kooperation bietet.

Fotos: Gretje Treiber

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