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Upcycling im Super Fashion Rainbow Camp


Schon der Name knallt. Lasst Euch Super Fashion Rainbow Camp (SFRC) mal auf der Zunge zergehen. Da entstehen wunderbarste Assoziationen, die aber nicht im Geringsten wiedergeben könnten, was dieser Labelname überhaupt beinhaltet. Denn genauso ungewöhnlich wie außerordentlich ist auch der Anspruch, den die beiden Gründerinnen haben: Sie machen Upcycling-Mode. Und zwar ausschließlich.

SuperFashionRainbowCamp(c)Thomas Kupas

Bea Landsbek und Lisa Adler sind zwei unkonventionelle junge Frauen. Gemeinsam mit sechs anderen Modedesignerinnen sitzen die beiden in hellen Räumlichkeiten des Helmkehofs in Hannover-Hainholz. Hier haben sie im Frühjahr 2014 die Huso Huso-Studios, eine Werkstattgemeinschaft von fünf Labels, gegründet.

Die jungen Frauen haben der Verlockung der weiten Welt und der Modemetropolen wie London, Paris oder Berlin widerstanden und sind nach ihrem Studium in Hannover geblieben. Eine mutige Entscheidung, denn der Modezirkus und die wichtigen Shows finden hauptsächlich dort statt. In Hannover spielen die 30-jährige Lisa Adler und die 35-jährige Beatrix Landsbek dafür nach ihren eigenen Regeln.Husu Huso Studio(c)Thomas Kupas„Die geschäftliche Kommunikation über das Internet funktioniert immer besser und man verkauft ohnehin auf den großen Messen, nicht unbedingt am Standort“, erklärt Beatrix. 2010 gründete sie mit Lisa noch während des Modedesign-Studiums das Label.

Kennengelernt haben sie sich bei einem kleinen Projekt beim Autofreien Sonntag in Hannover: Passanten konnten sich spontan gebrauchte Kleidungsstücke umgestalten lassen. Schnell war den beiden klar, dass sie auf einer Wellenlänge liegen und keine gewöhnlich produzierte Mode machen wollen. SFRC wurde so von vornherein ein Upcycling-Label. „Natürlich ist es mutig, ein eigenes Label zu gründen. Aber wir leben für diese Idee und können uns nichts anderes vorstellen“, sagte uns Lisa beim Interview.

Die Kleidung von SFRC weicht vom regulären Herstellungsprozess mit Schnittmuster ab. „Wir wollen hochwertig verarbeitete Blusen, die gut am Körper sitzen. Bei unserer Art und Weise mit Upcycling umzugehen, spielen Schnittmuster keine Rolle“, erklärt Beatrix.

Hierfür werden Reste von Stoffproduktionen (Verschnitt, Muster, Proben) oder Materialien, die in einem anderen Kontext verwendet wurden, zu einem höherwertigen Produkt verarbeitet. Bei SFRC sind es derzeit getragene Herrenhemden, die in einem ausgetüftelten Verfahren und standardisierten Herstellungsprozess mit so wenig Überschuss wie möglich zu hochwertigen Blusen umgenäht werden.

Obwohl der Begriff Upcycling schon in den Neunzigern in Amerika aufkam, ist er erst in den letzten Jahren populärer geworden. Seit Missstände wie in den Textilfabriken in Bangladesh bekannt wurden, entwickelt sich ein Umdenken. Fragen zu den Herstellungswegen und Arbeitsbedingungen der Näherinnen mehren häufen sich.

Zum Gedenken an den Fabrikeinsturz wurde 2014 der Fashion Revolution Day am 24. April initiiert. Bei dieser weltweiten Kampagne dreht sich alles um die Frage „Who made my clothes“. Designer, Hersteller und Einzelhändler stellen nachhaltige Produktionsverfahren vor oder machen mit Aktionen auf die katastrophalen Zustände in der Modebranche aufmerksam.

SFRC beteiligten sich ebenfalls und zeigen in Hannover Interessierten, wie man aus alten ausrangierten T-Shirts mittels Knotentechnik schicke neue Tops zaubert. Auch 2015 war das junge Label wieder beim Fashion Revolution Day mit dabei und lud zu einem Upcycleabend in die Studios.

Upcycling-Fashion ist viel mehr als ein Trend, die Szene wächst. Das Segment ist zuletzt sehr gewachsen und zielt langfristig auf geschlossene Materialkreisläufe. Nachhaltigkeit und bewusster Kleiderkonsum liegen im Fokus. In Hannover sind die Weichen gestellt.

Fotos: Thomas Kupas

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